Dreckig in den europäischen Winter

von Thorsten Cöhring am 23. November 2012

Borussia gegen AEL Limassol. 45 Minuten lang dachte ich, ich sei im falschen Film. Das war nicht einmal mehr Slapstick, das war nur noch Furcht einflößend. Leidenschaftlich diskutierte ich in der Halbzeitpause mit den leidgestählten und zweifelresistenten Insidern in Block 10 die Frage, ob, und wenn ja, wann, wir Borussia jemals schlechter spielen sahen. Spontan fiel niemandem ein auch nur annähernd vergleichbar konfuser Kick ein. Immerhin: Ich hielt stur an meiner waghalsigen These fest, dass Drecksspiele nur durch Dreckselfmeter 1:0 zu gewinnen sind.

Zur Verifizierung der Behauptung fehlten schließlich nur ein paar Zentimeter. Als in der 75. Minute einer der gefühlten 18 Brasilianer in Limassols Team Patrick Herrmann in Höhe der 16-Meter-Linie umnietete, gab es nur Freistoß und eine Rote Karte – aber keinen Elfmeter. Über diese Ungerechtigkeit des Schicksals hatte ich mich noch nicht ganz abgeregt, als Nordtveit endlich einmal einen feinen Pass auf de Camargo spielte. So fiel das 1:0. Und in der Nachspielzeit sogar noch das 2:0. Und da im Fußball der Grundsatz gilt “Wer gewinnt, hat recht”, bilden sich wahrscheinlich schon die ersten Fahrgemeinschaften für den 15. Mai 2013 nach Amsterdam.

Wir “überwintern” also im Europapokal, wie das auf Fußballdeutsch so schön heißt. Und schauen deshalb am Donnerstag, 20. Dezember, um 14 Uhr interessiert nach Nyon. Dort wird das Sechzehntelfinale ausgelost. Als Gruppenzweiter werden wir entweder einem der zwölf EL-Gruppensieger oder einem der vier besten Champions-League-Ausscheidern zugelost. Als Loser der “Bel Etage” wären dann zum Beispiel (Stand heute) der FC Chelsea, CFR Cluj, Benfica Lissabon oder Celtic Glasgow im Topf.

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