Fremdeln mit Europa

von Thorsten Cöhring am 24. November 2012

Ja, wird sind im Sechzehntelfinale der Europa League. Ja, ich freue mich darüber. Aber irgendetwas ist anders als sonst.

In meiner Jugend war die Sachlage klar. Seinerzeit waren die Europapokal-Nächte DIE Highlights schlechthin. Bundesliga, das war “Business as usual”. Verloren? Okay, dann gewinnen wir halt nächstes Wochenende wieder. Gewonnen? Okay, wie immer. Das haute mich nicht vom Hocker. Zumal es damals natürlich noch keine Live-Übertragungen im Fernsehen gab. Nur die Samstags-Konferenz im Radio.

Die Europacup-Spieltage dagegen waren schon im Vorfeld einziges Thema für mich. Ich analysierte die Gegner bis ins Detail und am Spieltag fieberte ich dem Anpfiff entgegen. Kam das Spiel live im Fernsehen, war ich selbstredend nicht ansprechbar und wippte mit dem Oberkörper auf einem beliebigen Sitzmöbel in Bildschirmnähe. So eine Art lederballinduziertes Hare Krishna. Irgendwann hatten das auch meine Eltern akzeptiert – wirklich verstanden haben sie es wohl nie.

Das Ziel war immer klar: Finale. Nach dem Ausscheiden nutzte ich monatelang die Gelegenheit, um über Tragödien im Allgemeinen und Gladbacher Fußball-Tragödien im Besonderen zu dozieren.

Warum erzähle ich das? Weil heute alles ganz anders ist.

Heute spüre ich tagelang aufkeimende Nervosität vor Spielen gegen Greuther Fürth oder Augsburg. Die Bundesliga ist das Thema. Und vor allem: nicht absteigen. Da haben mich wahrscheinlich die Jahre 1999 und 2007 geprägt.

Europapokal war wohl zu lange kein Thema mehr. Ich fremdele damit, ebenso mit dem DFB-Pokal. Pokalwettbewerbe sind grundsätzlich Mist, es sei denn, du gewinnst sie. Beim DFB-Pokal-Kick jüngst in Düsseldorf habe ich mich letztlich nur darüber geärgert, dass ter Stegen den Elfmeter gehalten hat und wir deshalb in die Verlängerung mussten.

Über die Tore gegen Limassol habe ich gejubelt, wie ich über jedes Tor meiner Borussia jubele. Aber es hat mich nicht berührt. Denn wir haben ohnehin keine Chance, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Und im Sechzehntelfinale gegen irgendwelche Milliardärs-Spielzeuge wie Anschi Machatschkala ausscheiden – wer will das schon. Ich nicht. Der FC Liverpool, das wär noch mal was. Reminiszenzen an wunderbare Abende in den 70ern mit den großartigen LFC-Fans. Aber unsere Freunde schaffen es ja wahrscheinlich noch nicht mal in die K.O-Runde. Grausam!

Wir dürfen morgen in Augsburg nicht verlieren. Das ist wichtig.

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