Fußball nach dem ODA-Prinzip

von Thorsten Cöhring am 15. Dezember 2012

Die Hinrunde der Saison 2012/13 ist vorbei. Zum Abschluss gab es in München bei den Bayern mit dem 1:1 ein unerwartetes verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Leider ist das Resultat kein Indiz dafür, dass sich zwei gleichwertige Mannschaften gegenüberstanden. Marc-Andre ter Stegen hat diesen Punkte quasi im Alleingang gewonnen. Gegen Bayern-Spieler, die sich gestern Abend beim Nasebohren wahrscheinlich den Finger gebrochen hätten. Aber Geschenke nimmt man natürlich immer gern an. Zeit für ein Saison-Zwischenfazit.

27 Pflichtspiele in 115 Tagen hat unsere Mannschaft bestritten – unsere Jungs mussten also rein statistisch alle vier Tage aufs Feld. Und das mit einem Kader, der für personelle Rotation nicht viel Spielraum lässt, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Die Gesamtbilanz aus allen drei Wettbewerben (Bundesliga, Europa League, DFB-Pokal) liest sich positiv: 11 Siege, 9 Unentschieden, 7 Niederlagen. Mein persönliches Bundesliga-Hinrundenziel (22 Punkte) wurde mit 25 Zählern sogar übertroffen. Außerdem stehen wir in der K.O.-Runde der Europa League. Nur im DFB-Pokal kam das frühe Aus in Düsseldorf.

Das alles lässt mich einigermaßen entspannt in die Winterpause gehen. Das Wort “Abstieg” verbanne ich allerdings erst dann bis auf Weiteres aus meinem Wortschatz, wenn wir 38 Punkte auf dem Konto haben. Bis dahin steht das Mahnmal “Eintracht Frankfurt 2010/11”: 26 Punkte in der Hinrunde + 8 Punkte in der Rückrunde = 34 Punkte = Abstieg.

Was hat sich getan in den vergangenen 18 Monaten? Oftmals neigen wir alle ja dazu, die Vergangenheit romantisch zu verklären. Die Saison 2011/12 zählt ganz sicher dazu. Auch mit Reus, Neustädter und Dante haben wir in der vergangenen Saison nur sporadisch gut gespielt. Das überfallartige Spiel in die Spitze sah zwar punktuell sehr schön aus, aber wir haben nie einen Gegner spielerisch dominiert. In Wirklichkeit spielten wir einen reinrassigen Catenaccio, der dank des blitzschnellen Umschaltens der Mannschaftsteile dennoch oft erheblichen Unterhaltungswert hatte.

Insofern hat sich in der laufenden Saison wenig geändert. Zur Zeit spielen wir eine noch defensivere Variante des Catenaccio, das ODA-System: Ordnung, Disziplin, Arango. Mit Disziplin und Ordnung verhindern wir Gegentore, und vorne wird Juan schon irgendwann irgendwas einfallen. Diese Spielweise führt dazu, dass nicht selten Torhüter ter Stegen in unserem Team die meisten Ballkontakte im Match hat.

ODA funktionierte bislang einigermaßen gut. Arango, der “Fließbandarbeiter in Sachen Tore des Monats” (O-Ton WDR-Reporter Jürgen Bergener), sorgte in regelmäßigen Abständen für die Highlights in unserem Spiel. Gar nicht auszudenken was passiert, wenn sich der Venezoelaner einmal ernsthaft verletzen sollte. Dann haben wir ein echtes Problem.

Die Anfangsphase der Spielzeit hat gezeigt, dass wir eine andere Formation als 4-4-2 mit dem vorhandenen Personal nicht spielen können. Die berühmte “Raute” (4-2-3-1), die etwas defensivere Variante des früheren 4-4-2, ist für unsere Mannschaft nicht machbar, weil uns erstens ein geeigneter “Zehner” fehlt, ein zentraler offensiver Mittelfeldspieler, und zweitens weil unsere Spieler nicht über die nötige technische Qualität verfügen und wir deshalb zu viele Ballverluste haben.

Mit diesem Spielstil, gegen Mainz in Reinkultur präsentiert, werden wir nur für eine begrenzte Zeit Erfolg haben können. Denn jeder kleine Eingriff in die Grundordnung (taktisch oder personell) führt zum Chaos – siehe die Klatschen in Dortmund und Bremen. Fast zwei Jahre sind wir jetzt von größerem Verletzungspech verschont geblieben. Auch das wird nicht immer so bleiben.

Aber wie dem auch sei: Erst einmal sollten wir in Ruhe Weihnachten feiern und uns auf die Rückrunde freuen. Sie beginnt mit zwei Schlüsselspielen in Hoffenheim und gegen Düsseldorf. Danach werden wir vermutlich abschätzen können, wohin die Reise diesmal geht.

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