Lokalderby statt Vokalderby: Nur zwei Punkte fehlen

von Thorsten Cöhring am 27. Januar 2013

Da ich Weihnachten allen möglichen Menschen erzählt habe, dass wir erst dann aus dem Gröbsten raus sind, wenn wir aus den beiden ersten Rückrundenspielen mindestens vier Punkte geholt haben, stelle ich mich heute hin und sage: “Wir sind aus Gröbsten raus!” Nach dem überaus wichtigen 2:1 über Fortuna Düsseldorf, bei jetzt 29 Punkten und 16 Zählern Vorsprung auf die Abstiegsränge, sollte nach menschlichem Ermessen in Sachen Abstieg nichts mehr anbrennen. Obwohl ich 2010/11 gelernt habe, dass man sich in der Bundesliga nie sicher sein darf…

Die im Vorfeld kontrovers erörterte Frage, ob das Aufeinandertreffen mit Düsseldorf ein “Derby” ist oder nicht, lässt mich eigentlich ziemlich kalt. Vielleicht könnte man es so sagen: gegen Düsseldorf handelt es sich um ein “Lokalderby”, gegen Köln eher um ein “Vokalderby”. Ist aber auch wurscht. Im Endeffekt fehlen nur zwei Punkte von den obligatorischen sechs, die wir gewöhnlich gegen die Geißböcke einfahren.

Fortuna Düsseldorf war die bislang schwächste Mannschaft, die sich in dieser Saison im Borussia-Park vorgestellt hat. Angesichts unserer Konterchancen hätten sich die Gäste auch über ein halbes Dutzend Gegentore nicht beschweren können. Was hätte mich im “Eisschrank” Borussia-Park aufwärmen können? Freude oder Ärger. Meine Mannschaft entschloss sich dazu, meiner drohenden Erfrierung dadurch entgegen zu wirken, dass ich mich nahezu im Minutentakt über sie ärgern musste. Vor allem über die Abschlussschwäche. Ich halte es in diesem Zusammenhang nach wie vor für völlig falsch, Igor de Camargo abzugeben.

Aber es war nicht NUR das Verballern von hochkarätigen Gelegenheiten. Es war auch die Tatsache, dass es selbst einer biederen Truppe wie Düsseldorf gelang, uns mit aggressivem Forechecking zehn Minuten lang nach der Pause völlig aus dem Konzept zu bringen. Die hektisch-panische Reaktion unter Druck führt immer noch zu teilweise grotesk anmutenden Ballverlusten. Es sieht nicht mehr ganz so slapstickmäßig aus wie bisweilen in der Hinrunde (vor allem Europacup-Heimspiel gegen Fenerbahce), aber es bleibt dennoch beängstigend.

War es in der Anfangsviertelstunde noch ein sehr ansehnliches, druckvolles Angriffsspiel unserer Mannschaft, mit teilweise sehenswerten Kombinationen, verfiel sie danach wieder in ihren üblichen Trott. Wir können Ordnung, wir können in der Ordnung schnell verschieben, wir können Balleroberung in der Ordnung und wir können schnell auf Konter umschalten. Was wir nicht können, ist Ballbesitz. Daraus können wir kein Kapital schlagen. Das Punktekonto zeugt von Stabilität, aber der optische Eindruck vermittelt gelegentlich eher den Eindruck von Fragilität.

Ich bin gespannt, wie sich unsere Mannschaft im meteorologisch kühlen und sportlich heißen Februar aus der Affäre zieht. Dann kommen nacheinander Leverkusen, Lazio Rom und Dortmund in den Park.

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