Warum ausgerechnet jetzt?

von Thorsten Cöhring am 23. Februar 2013

Vor dem Europacup-Rückspiel in Rom habe ich keinen Pfifferling auf unsere Mannschaft gegeben. Zu groß war die Überlegenheit von Lazio bereits im Hinspiel. Insofern bin ich überrascht, in welch heftiger Form die Kritik anschließend von allen Seiten auf die Mannschaft und den Trainer niederprasselte. Dabei hatte unser Team noch Glück, denn der Star in Rom waren die 10.000 Gladbach-Fans. Von den Spielern sprach in der nationalen und internationalen Wahrnehmung eigentlich keiner. Zu Recht. Also, warum ausgerechnet jetzt diese vehemente Kritik?

Unsere Mannschaft agierte im römischen Olympiastadion so wie immer, wenn sie überfordert ist. Sie verfiel relativ rasch in eine Art Schockstarre. Die Verunsicherung jedes einzelnen Spielers führte einmal mehr zu grotesken, teilweise slapstickreifen, persönlichen Fehlleistungen (siehe auch Heimspiel gegen Fenerbahce). Dieses Phänomen befällt übrigens häufig Mannschaften, die einen emotionslosen, “technokratischen” Fußball spielen. Sogar gelegentlich den FC Barcelona, wie am Mittwoch in Mailand zu beobachten.

Andere Mannschaften, zum Beispiel Hannover, Stuttgart oder Bremen, können sich mitunter aus solchen Situationen befreien, indem sie umschalten: Von Kombinationsfußball auf pure Emotion und Adrenalin. Rennen, kämpfen, powern. Das kann unsere Mannschaft nicht. Sie zieht ihr Ding durch oder sie verliert. Manchmal klappt das sogar gegen turmhoch überlegene Mannschaften, wie das 1:1 in München beweist. Aber wenn, dann höchstens punktuell. Nämlich nur dann, wenn der Gegner im 3. Gang unterwegs ist.

Was heißt das nun? In der Struktur, im Gefüge, in der Hierarchie unserer Mannschaft stimmt es nicht. Sie tritt zurückhaltend auf, fast schüchtern. In erster Linie fehlt uns ein Spielertyp, der in den Medien so gern als “Emotional Leader” bezeichnet wird. Einer, der in bestimmten Situationen seine Mitspieler, im übertragenen Sinne, kräftig in den Hintern tritt. Dieser Spielertyp fehlt uns im defensiven Mittelfeld. Im offensiven Mittelfeld fehlt es uns schlicht und einfach an Qualität. Und unsere größte Schwachstelle sind die Außenverteidigerpositionen. Von den Flügeln geht bei uns keinerlei Gefahr aus.

Das alles ist seit langem bekannt. Wir werden sehen, wie weit wir in dieser Saison damit kommen. Unser Team kann sich jetzt wieder auf die Bundesliga konzentrieren und damit auf das einzige realistische Saisonziel. Und das heißt: Klassenerhalt sichern. In den beiden kommenden Spielen gegen Dortmund und in Frankfurt erwarte ich nichts. Danach kommt ein wichtiger Meilenstein: Die beiden Heimspiele gegen Bremen und Hannover. Davon sollten wir mindestens eines gewinnen.