Punkt für Punkt zum Klassenerhalt

von Thorsten Cöhring am 10. März 2013

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass unsere Mannschaft von Werder Bremen in der 2. Halbzeit phasenweise an die Wand gespielt wurde, ist das 1:1 ein gutes Ergebnis. Ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Weg zum Klassenerhalt. Das Siegtor in der Nachspielzeit wäre des Guten dann doch etwas zu viel gewesen. Im Übrigen: Mlapa wäre nicht Mlapa, wenn er diese 100-prozentige Chance verwertet hätte.

Wir sind zwar immer noch nicht am Ziel, aber mit 35 Zählern schon ganz nah dran. Es fehlt noch ein Sieg. Oder drei weitere Unentschieden. Wer die gestrige Körpersprache unserer Mannschaft richtig gedeutet hat (“Hilfe, wir pfeifen aus dem allerletzten Loch! Wir sind fix und fertig, geistig und körperlich!”), dem sollte spätestens jetzt klar sein, dass eine neuerliche Europa-League-Qualifikation für uns in dieser Saison ein unerreichbarer Traum bleiben wird. Es fehlt an Frische, an Überzeugung und letztlich auch an Qualität. Den unverhoften Sieg in Frankfurt einmal ausgenommen, zeigt die Formkurve seit Wochen nach unten.

Noch vor zweieineinhalb Jahren hätten wir in einer solchen Phase ein Spiel nach dem anderen verloren. Heute ist unser Team in der Lage, auch mit schlechten Leistungen zu punkten. Diese Stabilität ist ein immenser Fortschritt und ein Verdienst der Aufbauarbeit von Trainer Lucien Favre. Hin und wieder muss man sich die Relation wieder vor Augen führen, damit die Erwartungen nicht ins Irrwitzige abdriften. Ohne eine Blutauffrischung im Kader wird unsere “Europa-Tour 2012/2013” ein einmaliges Erlebnis bleiben.

Anfang dieser Saison war unsere sportliche Leitung in der passiven Rolle. Unsere drei besten Spieler hatten beschlossen zu gehen. Die Kompensation mit neuen Spielern, mit dem Ziel, das bewährte Spielsystem Eins-zu-Eins fortzuführen, gelang notdürftig.

Anfang der nächsten Saison sind Eberl und Favre in der aktiven Rolle. Sie können auf zentralen Positionen verstärken. Ordnung und Disziplin kann die Mannschaft. Aber sie braucht mehr Emotion und Spielfreude. Sie braucht mehr Schnelligkeit. Und sie braucht mehr Technik. Keiner erwartet, dass Borussia Mönchengladbach jemals so gut sein wird wie Bayern München oder Borussia Dortmund. Aber ein klitzekleiner Hauch dieser Spielfreude würde den Funken im Borussia-Park ganz schnell überspringen lassen. Die Fans gieren förmlich nach mehr Emotion, das würde die Identifikation weiter steigern.

Ich weiß nicht, wann ich zuletzt bei einem Spiel unserer Mannschaft das Gefühl hatte, dass unseren Spielern das Fußballspielen Spaß macht – und nicht nur harte Arbeit ist.

Das wäre die nächste Stufe der fußballerischen Evolution, auf die uns Lucien Favre führen sollte.

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