Dritter Heimsieg, alles im Lot

von Thorsten Cöhring am 21. September 2013

4:1 gegen Eintracht Braunschweig. Das klingt nach Überlegenheit und Souveränität.  Tja, so war’s aber nicht. Eher ein paar fußballerische Filet-Stückchen, kredenzt mit einem kräftigen Schluck aus der Dusel-Pulle.

Keine Frage: Es war unser bislang schwächstes Heimspiel. Dass es dennoch zu einem klaren Sieg reichte, gibt auch einen Hinweis auf die Qualität des Gegners. Und natürlich ist der dritte Heimsieg angesichts der bisherigen Auswärtsschwäche mehr als wichtig.

Trotz der frühen Chancen durch Raffael (6. und 8.) plätscherten die ersten 20 Minuten aus Borussia-Sicht eigentlich ziemlich belanglos dahin. Meistens das gewohnte Kurzpassspiel in gezügeltem Trab, am liebsten weit weg vom gegnerischen Tor. Keine Ahnung, warum unsere Mannschaft keinen konsequenten Zug zum Tor hat, wenn sich  Räume auftun. Es wirkt alles bisweilen sehr behäbig. Und es hätte ganz schlimm können, wenn Bellarabis Konter-Kracher eingeschlagen hätte (15.).

Das ging so, bis Oscar Wendt in der 22. Minute im Braunschweiger Strafraum händeringend eine Anspielstation suchte. Und weil er keine fand, beherzigte er schließlich die alte Fußballer-Weisheit: “Wenn du gar nicht mehr weißt, wohin mit dem Ball, dann hau ihn einfach rein!” Als neun Minuten später Raffael eine butterweiche Flanke des starken Max Kruse zum 2:0 einköpfte, war ich bereits ziemlich entspannt.

Ungefähr so wie unsere Mannschaft, die aus der Kabine kam, als plane sie den nächsten Pizzeria-Abend. Schläfrig, beinahe teilnahmslos, sahen unsere Spieler zu, wie sich Braunschweig daran machte, uns mit unbändigem Kampfeswillen über den Haufen zu rennen. Glücklicherweise ist Eintracht in der Offensive überschaubar gut besetzt. Alarmstufe “Rot” herrschte in unserer Abwehr eigentlich nur dann, wenn Granit Xhaka am Ball war. Der junge Schweizer, der als Persönlichkeit zweifelsohne deutlich dazugewonnen hat, leistete sich nach längerer Zeit mal wieder ein halbes Dutzend krasser Ballverluste in der eigenen Spielhälfte. Am Freitag in Augsburg bekommt er eine Auszeit, die ihm vielleicht gut tut – wegen der fünften (!) Gelben Karte im sechsten (!) Spiel.

Der Anschlusstreffer, nach einem Fehlpass von Wendt (58.), steigerte die Unordnung in unserem Team in Besorgnis erregendem Maße. Erst der verwandelte Elfmeter von Max Kruse (72.) zum 3:1 beruhigte die Gemüter wieder. Im Stadion hätte ich übrigens gewettet, dass Arango nicht gefoult wurde, allerdings bewiesen die Fernsehbilder, dass Schiri Gagelmanns Entscheidung durchaus richtig war. Raffael erhöhte auf 4:1 (76.), damit war die Messe gelesen.

Nach sechs Spieltagen ist mit neun Punkten also alles im Lot. Da der nächste Gegner im Borussia-Park allerdings Borussia Dortmund ist, wäre es nicht schlecht, das Punktepolster am Freitag in Augsburg schon mal prophylaktisch aufzustocken. Aber nach den bisherigen Erfahrungen besteht diesbezüglich kein Anlass zu größerem Optimismus.

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