Erster Auswärtspunkt verschafft Luft

von Thorsten Cöhring am 28. September 2013

FC Augsburg. Das klingt nicht nach mondäner, glamouröser Fußballwelt. Das klingt eher nach biederer Fußballprovinz. So wie Arminia Bielefeld. Oder Greuther Fürth. Aber Gefühl und Realität stehen nicht unbedingt immer miteinander in Einklang.

Die Verantwortlichen in Augsburg haben mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln eine hervorragende Mannschaft zusammengestellt. Es würde mich nicht wundern, wenn der FCA am Ende der Saison irgendwo zwischen Platz fünf und neun landet. In seiner Spielanlage ähnelt das Team Eintracht Frankfurt. Gestern Abend, beim 2:2 gegen Borussia, waren uns die Schwaben in fast allen Belangen überlegen. Sie waren läuferisch besser, schneller, zweikampfhärter, passsicherer – kurz gesagt: der FC Augsburg war die bessere Mannschaft.

Drei gute Angriffe, zwei Tore und ein Punkt – das war die Ausbeute von Borussia Mönchengladbach an diesem Abend. Einer überdurchschnittlichen Defensivleistung stand eine weit unterdurchschnittliche Offensivleistung gegenüber. Gerade auswärts wird in jedem Spiel aufs Neue deutlich, wo uns der Schuh drückt: Von den Außen(verteidiger)positionen kommt zu wenig Druck nach vorn. Es werden so gut wie ausschließlich Quer- und Rückpässe gespielt.

Stattdessen läuft bei uns alles durch die Mitte. Zum Glück sind wir dort in dieser Saison mit dem überragenden Max Kruse, und phasenweise Raffael, sehr quirlig aufgestellt, so dass der in der Summe gänzlich unproduktive Ballbesitzfußball mitunter trotzdem in zwingenden Torchancen mündet. Das hat aber, wie gesagt, mehr mit der individuellen Qualität der Spieler zu tun als mit hoher mannschaftlicher Spielkultur.

Aber all das ist längst bekannt. Gestern in Augsburg wäre es uns trotzdem fast gelungen, drei Punkte zu entführen. Unverdient zwar, aber man nimmt ja mit, was man kriegen kann. Ein Lattenschuss von Arango (23.) und zwei wunderbare Treffer durch Kruse (33.) und Hrgota (71.), das ist die Zusammenfassung der 93 Minuten vor dem Augsburger Tor. Der Ausgleich der Gastgeber in der 88. Minute war ebenso verdient wie überfällig, begünstigt allerdings durch den einzigen kollektiven “Minutenschlaf” unserer Defensivabteilung.

Unser erster Auswärtspunkt in dieser Saison wurde zweifellos sehr glücklich errungen. Bei einer starken Mannschaft, das sollte noch einmal herausgestellt werden. Das gibt vor dem traditionell brisanten Duell mit der “falschen Borussia” am kommenden Samstag etwas Luft. Ich bin wirklich gespannt, wie sich unsere Mannschaft in einem Heimspiel gegen einen Titelanwärter aus der Affäre zieht. Auswärts (München, Leverkusen) gab’s bekanntlich keinen Blumentopf zu gewinnen. Aber immerhin: Wir kehren zurück in die Glamour-Welt des Fußballs.

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