Irgendetwas fehlt – aber was?

von Thorsten Cöhring am 15. September 2013

Wenn in meinem Umfeld die Rede auf Fußball und Borussia Mönchengladbach kommt, höre ich immer wieder das Gleiche: “Borussia ist so gut in dieser Saison, dass sie mindestens auf einem Europa-League-Platz landen werden.” Genervt von dieser ständigen Litanei sagte ich vor ein paar Tagen: “Lass uns das Spiel am Sonntag abwarten. Eine Mannschaft mit Europacup-Qualität verliert nicht in Hoffenheim.” Nun, wir haben in Hoffenheim verloren. Mit 1:2. Manche werden wieder das Adverb “unglücklich” herauskramen. Wie so oft. Aber war es das wirklich?

Die beste Nachricht des Tages: Nach 70 Minuten fingen unsere Spieler endlich an zu laufen und zu kämpfen. Vorher war nicht zu erkennen, dass meine Borussia irgendwelche Ambitionen hatte, den biederen (weil stark ersatzgeschwächten) Gegner in die Knie zu zwingen. In der starken Schlussphase fehlte es schlicht an Durchschlagskraft.

Wenn meine These stimmt, dann spielen wir also nicht um die internationalen Plätze. Woran liegt’s? Was fehlt unserer Mannschaft noch? Ich habe keine wirklich schlüssige Antwort.

Zunächst kann ich nicht oft genug betonen, dass mich die vergangenen 15 Jahre sehr geprägt haben. Soll heißen: Wer eineinhalb Jahrzehnte vorwiegend in der Hoffnung gelebt hat, dass der eigene Verein nicht zur Fahrstuhlmannschaft degeneriert, den macht jeder komplikationslos eingefahrene Klassenerhalt glücklich und zufrieden. Das gilt auch für diese Mannschaft in dieser Saison.

Erst in zweiter Linie beschäftige ich mich mit der Frage, was Borussia fehlt, um höhere Ziele anzupeilen. Eigentlich ist ja alles da, könnte man meinen: Die Abwehr spielt solide, mit Kramer haben wir einen guten “abräumenden” Sechser, Xhaka wächst langsam in die Rolle des “strategischen” Sechsers und unsere Offensive ist nominell die bestbesetzte seit Effenberg, Herrlich, Dahlin und Co. Also, woran hakt’s?

Ganz offensichtlich fehlt es an Tempo. Es kann nicht sein, dass unsere Mannschaft in der ersten Halbzeit in Hoffenheim zwei Drittel der Spielzeit in Ballbesitz ist und keine zwingende Torchance herausspielt. Es fehlt der Zug zum Tor, vor allem auf den Außenbahnen, auf denen sich die Außenverteidiger höchstens mal alibimäßig in den Angriff einschalten. Aber auch im Zentrum. Es wird viel kombiniert, aber nicht in den gegnerischen Strafraum. Von einer Mannschaft mit höheren Ambitionen muss mehr kommen, auch mehr Risiko beim letzten Pass. Aber ist das wirklich die einzige Erklärung?

Man könnte jetzt sagen: “Die Mannschaft braucht noch Zeit.” Das ist die Universalantwort der Ratlosen.

Noch bin ich ziemlich entspannt. Ich neige nicht zu euphorischen Erwartungen. Der Klassenerhalt reicht mir. Und das sollte mit der aktuellen Kaderqualität möglich sein. Auch wenn wir am Freitag im Park gegen Braunschweig wieder vor dem gleichen Problem stehen wie heute gegen das Hoffenheimer Defensiv-Bollwerk. Wir sollten das Heimspiel gewinnen. Sonst hängen wir in der Abstiegszone fest. Das Fußballer-Leben besteht nicht nur aus berauschen Konterfußball-Shows. Manchmal muss man Siege auch erzwingen. Nur wer in der Pflicht gut ist, wird auch in der Kür am Ende des Tages Erfolge einfahren.

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