Dortmund reloaded

von Thorsten Cöhring am 10. November 2013

Borussia Mönchengladbach hat 3:1 (0:1) gegen den 1. FC Nürnberg gewonnen. Dritter Sieg hintereinander, sechster Heimsieg hintereinander, 22 Punkte, Platz 4. Alles gut. Nein, alles bestens. Auf eine ausführliche Analyse habe verspüre ich eigentlich keine rechte Lust. Also beschränke ich mich auf das Allernotwendigste.

Juan Arango erzielte mal wieder ein Traumtor zum 1:1 (72.), wir gaben dem Gegner die Gelegenheit, ein schönes Eigentor zum 2:1 zu schießen (75.), und Patrick Herrmann krönte seine überschaubare Leistung mit dem 3:1 (87.).

Der Rest ist ein Fall für das Mäntelchen der Nächstenliebe.

Denn es war wie ein “Deja vu”. Mir war, als hätte ich das Spiel an gleicher Stätte vor fünf Wochen schon einmal gesehen. Nur dass die Gegner dieses Mal keine gelben Leibchen trugen, sondern rote. Und es war auch nicht der Champions-League-Finalist, der uns nach Belieben dominierte und an die Wand spielte, sondern der aktuell sieglose Tabellenletzte der Bundesliga.

Letztere Tatsache ist fürwahr etwas irritierend. Zugegeben, die Nürnberger Mannschaft ist deutlich besser als der Tabellenstand vermuten lässt. Aber dass wir im eigenen Stadion, zumindest in der ersten Halbzeit, derart unterlegen sind, das ist nicht ganz unbedenklich. Wenngleich auch gesagt werden muss: Die Nürnberger Überlegenheit resultierte nicht nur aus der eigenen Stärke. Es war vielmehr die Pomadigkeit unserer Mannschaft, die den aggressiv pressenden “Clubberern” in die Karten spielte.

Das Beste an der ersten Halbzeit war eindeutig die Tatsache, dass wir durch Drmics Tor (21.) nur 0:1 zurücklagen. Es hätte locker auch 0:3 heißen können. Ich hatte in der Halbzeitpause tatsächlich die vage Hoffnung, dass Lucien Favre seinen Spielern klar machen würde, dass Fußball ein Laufspiel ist und dass Bewegungsunlust in der Bundesliga nicht zielführend ist.

Diese Hoffnung erwies sich glücklicherweise als begründet. Die zweite Halbzeit war deutlich besser. Allerdings erst ab der 60. Minute, als bei Nürnberg die Kräfte langsam aber sicher erlahmten. Was uns die Möglichkeit eröffnete, das Spiel mit großem Siegeswillen und deutlich gesteigerter Risikobereitschaft noch zu drehen.

Was sonst noch von diesem Spiel in Erinnerung bleiben wird? Zum einen zwei strittige Elfmeterszenen. Xhakas Attacke gegen Drmic (53.) räumte Ball und Gegner ab – zuerst allerdings klar den Ball. Auf der anderen Seite wehrte Chandler Xhakas Direktschuss aus kurzer Distanz mit dem Arm ab (64.) – gegen Borussia sind in vergleichbaren Situationen in dieser Saison bereits Handelfmeter gepfiffen worden.

Und zum anderen natürlich das Gladbacher “Wembley-Tor”. Drmic schießt an die Unterkante der Latte (80.). War der Ball mit vollem Umfang hinter der Linie? Im Stadion habe ich spontan gesagt: “Ja!”. Bild.de hat in seinem Video vom Spiel per 3-D-Animation ein Standbild des Aufpralls erstellt. Danach ist die Sache klar: Kein Tor, wenn auch hauchdünn. Was aber noch lange nichts über die Flugbahn des Balles aussagt. Im Flug kann er hinter der Linie gewesen sein.

Also brauchen wir doch technische Hilfsmittel? Ich habe dazu eine klare Meinung, die ich auch nach Kießlings Phantomtor neulich in Hoffenheim mehrfach kundgetan habe:

NEIN!

Der Fußball “lebt” von Fehlentscheidungen der Spieler, der Trainer und der Schiedsrichter. Und von der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters. Wer daran etwas ändert, der entreißt dem Fußball seine Seele.

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