Ein Fußballspiel wie Kaugummi

von Thorsten Cöhring am 2. Dezember 2013

Als ich Richtung Borussia-Park aufbrach, verabschiedete mich meine Frau mit den Worten: “Viel Spaß!” Ich sagte: “Danke, den werde ich nicht haben. Das wird ein Schweinespiel.” War das nun Realitätsbewusstsein, dunkle Vorahnung oder “self fulfilling prophecy”? Wie auch immer: Ich lag richtig. Es wurde ein “Drecksspiel”. Wie fast immer gegen den SC Freiburg. Aber wieder einmal war etwas anders als sonst: Wir haben gewonnen!

1:0 durch ein Tor von Raffael (63.), nach großartiger Vorarbeit von Herrmann (Steilpass) und Wendt (präzise Hereingabe). Oder um die Antwort von Max Kruse auf die Frage zu bemühen, was in diesem Spiel den Unterschied gemacht habe: “Das Tor!”

Es war ein Fußballspiel zäääääh wie Kaugummi. Beide Teams extrem konzentriert und taktisch diszipliniert. Beide Teams sehr stark im Spiel gegen den Ball. So ergab es sich, dass in den gesamten 90 Minuten eigentlich nur vier zwingende Torchancen zu Stande kamen: Herrmann vergab einmal freistehend (15.) und scheiterte in der 27. Minute mit einem spektakulären Scherenschlag an Keeper Baumann, der den Ball mit einem Reflex an die Latte lenkte. Bevor nach Borussias schönstem Angriff das Siegtor fiel, hätte Freiburg sogar in Führung gehen können, doch Freis (58.) schloss überhastet ab, nachdem sich Stranzl und Jantschke in einer Abwehraktion ins Gehege gekommen waren.

Das war’s auch schon. Der Rest war Geduld. Auf dem Platz und auf den Rängen im mit 50.000 Zuschauern erstaunlich gut besuchten Borussia-Park. Und das, obwohl im Freiburger Fanblock eine fast hoffenheimeske Leere gähnte.

Aus unserer gut funktionierende Mannschaft möchte ich vier Spieler besonders herausheben. 1. Oscar Wendt, der inzwischen nicht nur Offensive, sondern auch Defensive kann. Meistens jedenfalls. Ich bin gespannt, wie er sich am Samstag gegen den Schalker Farfan aus der Affäre zieht. 2. Tony Jantschke, den du wirklich hinstellen kannst, wo du willst – er gewinnt immer seine Zweikämpfe. 3. Patrick Herrmann, der nach seinem sehr schleppenden Saisonstart inzwischen wieder auf Hochtouren läuft. Und vor allem 4. Granit Xhaka, der als spielgestaltender Sechser auf dem direkten Weg in die europäische Spitzenklasse ist.

Nach dem siebten Heimsieg hintereinander und dem fünften Bundesliga-Sieg in Serie steuern wir auf die 30-Punkte-Marke zu. Das ist schlichtweg phänomenal. Für mich beinahe unglaublich. Fast wie Weihnachten 2011, als wir 33 Zähler auf dem Konto hatten – und am Saisonende mit 60 Punkten Platz vier eroberten. Träumen ist erlaubt. Aber wir sollten es eher mit Max Kruse halten. Im WDR-Interview wurde er gefragt, ob es denn nicht jetzt endlich an der Zeit sei, in Mönchengladbach über die Champions League zu sprechen. Seine Antwort (sinngemäß zusammengefasst): “Warum sollten wir das tun? Damit setzen wir uns doch nur selbst unter Druck. Wenn wir am Samstag gegen Schalke verlieren, dann sind wir plötzlich wieder die Deppen. Nein, wir möchten noch ein paar Punkte einfahren.” Gut so!