Ein Punkt ist besser als kein Punkt

von Thorsten Cöhring am 15. Dezember 2013

Um das 0:0 zwischen Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach zu beschreiben, muss man nur ein paar Wortfetzen aus diversen Spielberichten aneinander reihen: “Leckerbissen für Taktikliebhaber”, “Rasenschach”, “taktische Zwänge”, “Defensive überzeugt”, müder Kick”, “fehlende Durchschlagskraft”, “beide Teams belauerten sich”, “Spiel für Taktikfreunde”. Ja, so war’s. Wäre ich ein objektiver Beobachter, hätte ich ruhigen Gewissens nach 20 Minuten auf ein anderes Spiel bei Sky umschalten können. Aber das bin ich natürlich nicht.

Nun sind Partien zwischen Mainz und Borussia selten ein Fußballfest. Es sei denn (wie in den beiden vergangenen Jahren, als Borussia jeweils gewann), es geht für beide Mannschaften kurz vor Saisonschluss um nichts mehr. Dieses Mal war es noch zähflüssiger als gewohnt, weil beide Teams mit der festen Überzeugung den Platz betraten, ihn nicht als Verlierer wieder verlassen zu wollen. So entwickelte sich ein Match, über das mein Vater vermutlich gesagt hätte: “Vom Spielverlauf her hätte es auch genau umgekehrt ausgehen können.”

Überaus lobenswert ist die nahezu tadellose Defensivleistung unserer Mannschaft. Das ist ein Zeichen von Stabilität. Eine Viertelstunde vor Schluss, als unsere Elf unverhofft auch offensive Lebenszeichen von sich gab, hätte Kruse (75.) mit der einzig nennenswerten Torchance nach Vorarbeit Herrmann fast sogar noch den Siegtreffer erzielt, doch sein Direktschuss vom Elfmeterpunkt strich knapp über das Tor.

Am Ende waren alle mit dem Punkt zufrieden. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass auch unser Coach Lucien Favre mit dem Spielstand einverstanden ist, sind gewöhnlich drei Spielerwechsel in den letzten fünf Minuten. “Zeit gewinnen, Ergebnis halten”, heißt das dann übersetzt. Dieses Realitätsbewusstsein sollte uns auch nicht abhanden kommen. Wir haben nicht den Qualitätslevel, um auswärts den Sieg mit allen Mitteln zu erzwingen. Sonst würden wir nicht in der Bundesliga spielen, sondern in der Superliga – gemeinsam mit München, Dortmund und Leverkusen.

Also, alles ist weiterhin gut. Ein Punkt ist besser als kein Punkt. Auch wenn unsere sechs Spiele andauernde Siegesserie damit gestoppt ist. Platz vier ist weiterhin eine schöne Momentaufnahme. Die Stunde der Wahrheit für unsere Borussia schlägt in den kommenden drei Heimspielen gegen Wolfsburg, Bayern und Leverkusen. Danach wissen wir, ob wir wirklich nach den Sternen greifen können.

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