Feuertaufe bestanden!

von Thorsten Cöhring am 8. Dezember 2013

Mein Ergebnis-Optimismus vor dem Anpfiff gegen Schalke 04 hielt sich in überschaubaren Grenzen. Wenn eine Spitzenmannschaft vor einem Spiel derart unter Druck steht, wie Schalke am Samstag vor dem Gastspiel im Borussia-Park, dann muss man mit dem Schlimmsten rechnen. Dass wir trotz dieser schwierigen Ausgangslage dennoch 2:1 (2:1) gewannen, macht mich stolz und glücklich. 31 Punkte, das ist bereits zwei Spieltage vor Ende der Hinrunde eine fabelhafte Bilanz.

Geradezu exemplarisch machte dieses Spiel deutlich, wo Stärken und Schwächen unserer Mannschaft liegen, die sich insgesamt in erheblichem Maße weiterentwickelt hat.

Wenn unsere Mannschaft konzentriert zu Werke geht, ist sie sehr passsicher, lauffreudig, sehr gut im Spiel gegen den Ball, taktisch diszipliniert und zweikampfstark. Sobald sie die Konzentration auch nur für fünf Minuten verliert, verkehrt sich alles ins Gegenteil: Viele wichtige Zweikämpfe werden verloren, das Spiel wird statisch und es passieren gravierende Fehlpässe im Spielaufbau. Klick – wie ein Lichtschalter. Merkwürdig.

Die schlechte Nachricht: Unser Team kann die Konzentration selten über 90 Minuten hochhalten. Die gute Nachricht: Unser Team kann sich auch aus den unkonzentrierten Phasen inzwischen aus eigener Kraft wieder herausarbeiten. Sicherlich würde es unserem Spiel auch gut tun, wenn sich unsere Elf abgewöhnen könnte, im Angriff gelegentlich so extrem kompliziert zu spielen, dass sie selber dabei den Überblick verliert. Geradlinig, schnell und schnörkellos – so heißt das Erfolgsrezept. Glücklicherweise funktioniert es meist.

Aber das alles ist Kritik auf ziemlich hohem Niveau. Sehr erfreulich, wie die Mannschaft das 0:1 durch Farfans Elfmetertor (17.), dem ein Schalker Konter vorausgegangen war, wegsteckte. Raffaels Traumtor aus 22 Metern in den Winkel (25.) bedeutete den Ausgleich und der 2:1-Siegtreffer entsprang einem Handelfmeter von Max Kruse (45.). An der künstlich herbeigeführten und medial gesteuerten Diskussion, ob die Elfmeter-Verursacher jeweils persönlich mit einem Platzverweis hätten bestraft werden müssen, beteilige ich mich nicht. Wer die Regeln kennt, weiß, dass “Gelb” für beide (Korb und Höwedes) angemessen war. Da es für Höwedes allerdings die zweite Verwarnung war, nachdem er zuvor von hinten Arango umgetreten hatte, musste er vom Platz. So ist das halt, that’s life.

Schalke war übrigens mit zehn Mann in der zweiten Halbzeit deutlich kampfkräftiger und entschlossener als in der ersten. Allerdings hätten wir mit unseren glasklaren 100-prozentigen Chancen bis zur 60. Minuten das Match frühzeitig entscheiden können. So wurde es am Ende noch einmal ganz eng und nicht jeder Torhüter hätte den Kopfball von Boateng in der 93. Minute aus dem Eck gekratzt. Chapeau, MAtS!

By the way, Thema ter Stegen: Wenn er bei Borussia seinen Vertrag verlängern würde, wäre vor dem gestrigen Spiel der ideale Zeitpunkt gewesen, um diese Entscheidung zu verkünden. Aus der Tatsache, dass dies nicht passierte und die Verkündung stattdessen auf einen Zeitpunkt NACH dem letzten Heimspiel verlegt wurde, kann jeder selbst seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen. Ich finde dieses Rätsel nicht besonders schwierig.

Wichtigste Erkenntnis nach dem achten Sieg im achten Heimspiel und dem sechsten Bundesliga-Sieg hintereinander: Die Mannschaft hat in einem Spitzenspiel gegen eine nominell noch besser besetzte Mannschaft die Nerven behalten und ihre Stabilität unter Beweis gestellt. Der Sieg gegen Dortmund war reines Glück. Gegen Schalke hat sich Borussia den Sieg mit Fußballtugenden erarbeitet und verdient.

Man darf wohl behaupten: Feuertaufe bestanden!