Kein Grund zur Panik

von Thorsten Cöhring am 8. Februar 2014

Die nackten Zahlen nach der gestrigen 0:1 (0:0)-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen sind wenig erbaulich: Seit fünf Spielen sieglos, nur zwei Punkte. Und zuletzt drei Niederlagen hintereinander. Allerdings muss man diese Bilanz relativieren. Unser Rückrunden-Auftaktprogramm war nicht einfach. Gegen München und Leverkusen kannst du jederzeit verlieren, in Hannover auch. Insofern kommt die Bilanz von 0 Punkten nach drei Rückrundenspielen nicht wirklich überraschend.

Dass ich immer noch ziemlich entspannt bin, hängt wahrscheinlich mit meiner realistischen Sicht auf den Stand der Dinge zusammen. Hinter den finanzkräftigen Top 5 (München, Leverkusen, Dortmund, Schalke, Wolfsburg) spielen wir mit vier anderen Teams um die Plätze 6 bis 10, nämlich Mainz, Hertha, Augsburg und Hannover; Hoffenheim, Bremen und Stuttgart liegen wahrscheinlich schon zu weit zurück. Drei der direkten Konkurrenten um einen Europa League Startplatz haben wir in der Rückrunde noch zu Hause (Mainz, Hertha, Augsburg). Es ist also noch alles drin.

Falls unsere Mannschaft bald die Kurve kriegt. Denn das ist das wirklich Besorgniserregende – die Leistung der Mannschaft.  Der Auftritt gegen Bayern war ehrenvoll, der in Hannover indiskutabel. Gestern Abend gegen Leverkusen wirkte unsere Mannschaft komplett verunsichert, ängstlich und zaghaft. Was in der ersten Halbzeit zu einer regelrechten “Fehlpass-Orgie” im Spielaufbau führte. Da zumindest unsere Abwehr solide stand, konnte sich allerdings auch die alles andere als überragende Bayer-Elf nicht nennenswert in Szene setzen. Spätestens mit Beginn der zweiten Halbzeit aber hatte man als Betrachter von Minute zu Minute mehr ein Eindruck, dass Leverkusen mit einer einzigen guten Aktion das Spiel entscheiden könnte.

Und so kam es dann schließlich auch. Ein sehenswerter 20-Meter-Schlenzer von Son (62.) entschied die Partie zu Gunsten von Bayer. Ein Triumph der individuellen Überlegenheit. In der letzten halben Stunde brachte Leverkusen den Sieg problemlos über die Runden, da unsere Spieler meist nur noch ziemlich hilflos und apathisch über den Rasen trabten. Bezeichnend war die Entstehung des 0:1, als sich Raffael mit einem geradezu läppischen Zweikampfverhalten den Ball abluchsen ließ. Der Brasilianer war wie Kruse und Herrmann an diesem Abend ein Totalausfall. Nur ein paar halbherzig vergebene Halbchancen waren die einzige offensive Ausbeute dieses Spiels. Glücklicherweise hielten unsere besten Akteure, Stranzl, Jantschke und Wendt, zumindest die Defensive zusammen. Besser jedenfalls als in Hannover.

Es ist sehr zweifelhaft, ob unsere Mannschaft in ihrer gegenwärtigen Verfassung am kommenden Wochenende in Bremen bestehen kann. Möglicherweise wird es Zeit für Veränderungen in der Mannschaft. Vor allem Kruse und Herrmann könnten eine Pause offensichtlich dringend gebrauchen. Auch Kramer wirkt in der Rückrunde, vorsichtig ausgedrückt, bisweilen etwas desorientiert. Mlapa, Hrgota und Nordtveit wären Alternativen. Aber mit solchen Änderungen tut sich unser Trainer Lucien Favre bekanntermaßen sehr, sehr schwer.

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