Jecke Torhüter am Karnevalssamstag

von Thorsten Cöhring am 2. März 2014

1:1 (0:1) bei Tabellen-Schlusslicht Eintracht Braunschweig. Das dritte Remis in Folge. Seit dem 2:1-Erfolg über Schalke 04 am 7. Dezember ist Borussia seit acht Spielen sieglos. Das sind die nackten Fakten. Für die beiden einzigen Höhepunkte in diesem über weite Strecken trostlosen Kick sorgten die beiden Torhüter.

Zu einem Spiel am Karnevalssamstag gehören natürlich auch echte Jecken. Davon gab’s gestern zwei, und die hatten sich als Torhüter verkleidet. Zuerst bugsierte Braunschweigs Keeper Davari eine Raffael-Ecke mit dem Knie zum 0:1 über die eigene Torlinie (25.). Aber wer dachte, dieser Slapstick sei nicht mehr zu toppen, sah sich getäuscht. In der 52. Minute ließ ter Stegen einen harmlosen Rückpass von Daems über den Spann rutschen und der Ball trudelte zum 1:1 ins Netz. Fast die Kopie des Gegentors, das ter Stegen vor einem Dreivierteljahr in der Nationalmannschaft gegen die USA kassierte. Zum Totlachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Aber im Ernst: Ich mache ter Stegen keinen Vorwurf. Angesichts der nicht enden wollenden Rückpass-Orgien auf sein Tor in jedem Spiel musste man davon ausgehen, dass er irgendwann einmal unkonzentriert ist. Das ist dann besonders bitter, weil es so aussieht, als er habe er noch nie zuvor gegen einen Ball getreten. Dabei ist es nichts weiter als menschlich: 999 Mal geht es gut, beim 1.000 Mal passiert ein Fehler.

Das Problem liegt ganz woanders. Es ist das Prinzip. Diese pausenlosen sinnlosen Rückpässe, mit denen sich die Feldspieler aus der Verantwortung stehlen wollen, selbst einen konstruktiven spielaufbauenden Pass spielen zu müssen. Nein, lieber ein Rückpass – selbst von der Mittellinie. Das bringt mich seit vielen Monaten, gelinde gesagt, zur Weißglut. Ist das angstgetrieben? Oder Feigheit? Oder eine taktische Vorgabe des Trainers? Keine Ahnung. Aber jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um dieses Verhalten zu überdenken und auf den Prüfstand zu stellen. Merke: Auch ein Feldspieler kann den Ball hoch und weit nach vorne dreschen, wenn es sein muss! Ist laut Regelwerk nicht verboten!

So viel dazu. Mehr gibt es über das Spiel auch kaum zu sagen. Die Defensivleistung beim Tabellenletzten war in Ordnung, die Offensive fand über weite Strecken nicht statt. Ein Rückschritt gegenüber den Spielen in Bremen und gegen Hoffenheim. Erst gegen Ende hatten wir zwei nennenswerte Chancen. Kruse traf den Pfosten (87.) und in der 89. Minute wurde ein Treffer von Mlapa wegen vermeintlicher Abseitsstellung nicht anerkannt. Laut TV-Bildern war es wohl kein Abseits.

Nach dieser alles in allem enttäuschenden Vorstellung sind wir auf Platz 7 abgerutscht. Ein Rang, der am Ende der Saison für den Einzug in die Europa-League-Qualifikation reichen könnte. Dann nämlich, wenn zwei für die Champions League qualifizierte Mannschaften, z.B. München und Dortmund, das DFB-Pokalfinale erreichen. In diesem Fall würde der Europa-League-Startplatz des DFB-Pokalsiegers (bzw. des unterlegenen Finalisten) auf den Tabellensiebten übergehen.

Wie auch immer: Die Tabelle lügt nicht. Wir werden am Ende dort stehen, wo wir auch leistungsmäßig hingehören.

Gespannt bin ich auf das kommende Heimspiel am Samstag gegen den FC Augsburg. Nicht nur weil die Schwaben ein direkter Konkurrent sind, sondern vor allem möchte ich wissen, wie wir uns gegen diese unkonventionelle Hochgeschwindigkeitstruppe aus der Affäre ziehen. Und immerhin spielt dort mit Andre Hahn der Mann, den ich seit einem Jahr gern im Borussia-Trikot sähe.

Wegen Gelbsperren fehlt unser etatmäßiges Sechser-Duo Xhaka und Kramer. Nach den jüngsten Eindrücken weiß nicht, ob das wirklich eine Schwächung ist…

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