Vorhang auf zur europäischen Bühne!

von Thorsten Cöhring am 29. August 2014

7:0 (3:0) im Rückspiel der Europa-League-Qualifikation gegen FK Sarajevo. Das muss man erst einmal sacken lassen. Ein unborussisches Weiterkommen, weil ohne Zittern. Aber gut. Ziemlich gut. Sogar so gut, dass ich euphorieähnliche Anflüge bekommen könnte, wenn da nicht diese konfusen ersten 20 Minuten gewesen wären.

Da kriegte unsere Mannschaft gar nichts gebacken und die negative Körpersprache war beängstigend. Dann, wie aus dem Nichts, traf Andre Hahn mit einem satten Flachschuss zum 1:0 (20.) – und alle Dämme brachen. Die Mannschaft aus Sarajevo implodierte, so wie neulich die brasilianische Selecao. Und unsere Jungs bekamen Lust. Von Minute zu Minute mehr. Sie schossen den Gegner ab. Ein Tor schöner als das andere. Gut, die Gegenwehr war überschaubar. Aber sieben Buden musst du erst mal machen. Das ist zweifellos eine Qualität.

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Klare Meinung der Nordkurve zum Choreo-Verbot des europäischen Fußballverbandes.

Der Vollständigkeit halber: Granit Xhaka (24.) versenkte einen unglaublichen Hammer aus 30 Metern, was meine Vermutung stützt, dass Distanzschüsse bei uns mittlerweile wieder erlaubt sind. Branimir Hrgota tat nach seiner kurzen Auszeit gegen Stuttgart wieder das, was er am besten kann: Bälle im Tor versenken (34., 67. und 82.). Und Thorgan Hazard netzte zwei Standards ein (74. Foulelfmeter und 90.+2 Freistoß). Das war zeitweise Fußball vom Allerfeinsten. Glänzend dirigiert vom herausragenden zentralen Mittelfeld-Duo Xhaka und Kramer.

Fast schon rührend übrigens die Szene, als sich die Youngster Hazard, Hrgota und Dahoud darum stritten, wer den Elfer schießen darf. Da musste tatsächlich am Ende noch “Papa” Stranzl mit einem Machtwort regulierend eingreifen… 🙂 Eine gierig-wilde Herde hochtalentierter Fohlen. Mit allen denkbaren Aufs und Abs. 44.000 Zuschauer im fast ausverkauften Borussia-Park schlossen diese Mannschaft ins Herz.

Okay, wir spielen also nach 2012/13 wieder in der Europa League. Und gehen damit in unsere 20. Europapokal-Saison. Unter dem finanziellen Gesichtspunkt sollte man diesen Wettbewerb besser umtaufen in “Peanuts-Liga”. Jeder Club, der in der Champions-League-Gruppenphase sieglos ausscheidet, sackt ungefähr so viel Kohle ein wie der Europa-League-Gewinner. Geld ist also nicht wirklich ein Anreiz.

Was zählt, sind die ideellen Motive. Die sportliche Herausforderung, stimmungsvolle Abende im Borussia-Park (wie der gestrige!) und aufregende Auswärtsfahrten. Das alles mit dem Risiko behaftet, dass die Bundesliga darunter leidet. Denn die physische und mentale Beanspruchung ist nicht zu unterschätzen. Inclusive zweiter DFB-Pokalrunde sind das bis Weihnachten immerhin 27 Pflichtspiele. Zwar ist unser Kader breiter aufgestellt als vor zwei Jahren, aber du musst Verletzungen einkalkulieren. Ich bin gespannt, wie unsere Jungs das wegstecken.

Bei der Gruppen-Auslosung heute Mittag wurden uns FC Villarreal, FC Zürich und Apollon Limassol zugelost. Das hätte deutlich schlimmer kommen können. Ich freue mich auf die neue Europa-Tour!

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