Europäische Feuertaufe bestanden

von Thorsten Cöhring am 19. September 2014

Borussias Start in die Europa League ist geglückt. Das 1:1 (1:0) vor 39.000 Zuschauern im Borussia-Park gegen den FC Villarreal war leistungsgerecht. Und dass wir gegen eine spanische Spitzenmannschaft mithalten können, sollte uns für die Zukunft Mut machen. Für den Höhepunkt des Abends sorgte indes die Nordkurve mit einer überwältigenden Choreographie, die man nur mit einem Wort beschreiben kann: “Weltklasse”!

Weltklasse!

Weltklasse!

Merkwürdigerweise wird das Remis heute in den Medien zumeist als “Punktverlust” für Borussia Mönchengladbach gehandelt. Ich sehe das anders. Villarreal ist eine starke Mannschaft, sehr gut organisiert und dank ihres überragenden Ballverteilers Soriano extrem schnell im offensiven Umschaltspiel. Nur um Haaresbreite konnte Sommer in der Anfangsphase einen dieser typischen Blitzkonter gegen Cheryshev entschärfen.

Es war ein intensives Spiel, geprägt von hohem Tempo, taktischer Disziplin und harten Zweikämpfen. Aber gleichwohl war es ein sehr ansehnliches Match. Unsere Fohlenelf, durch den Verzicht auf Raffael und Hahn in der Offensive geschwächt, mischte gleichwohl munter mit. Nach einem Zuckerpass von Xhaka auf Hrgota kam der Ball auf Umwegen zu Herrmann, der in der 21. Minute mit einem Linksschuss von der Strafraumgrenze das 1:0 erzielte. Das 2:0 hätte Hrgota machen müssen, doch freistehend chipte er den Ball aus Nahdistanz am fast leeren Tor vorbei (41.). Schade, denn diese Dinger macht er sonst im Schlaf.

In der zweiten Halbzeit litt das Spiel insgesamt unter dem sintflutartigen Regen und dem dadurch zunehmend seifigeren Rasen. Villarreal übernahm nun klar das Kommando und drängte mit Macht auf den Ausgleich. Der gelang schließlich dem Sekunden zuvor eingewechselten Uche (68.) mit seinem ersten und letzten Ballkontakt. Er prallte in dieser Szene mit Sommer zusammen und musste vom Platz getragen werden.

Einmal mehr wurde deutlich, dass unsere Mannschaft immer dann in große Schwierigkeiten gerät, wenn sie in eine passiv-reaktive Grundhaltung verfällt und mit schnellem Kombinationsspiel unter Druck gesetzt wird, anstatt den Gegner mit Pressing am Spielaufbau zu hindern. Das unterscheidet uns halt von Top-Mannschaften wie München oder Dortmund. Ich würde gerne “noch” hinzufügen, aber ich fürchte, das wird ein frommer Wunsch bleiben.

Da wir im zweiten Durchgang viel Glück hatten, muss man auch über die letzte Minute hinwegsehen können. Einem spanischen Spieler sprang der Ball im eigenen Strafraum klar an die Hand. Der Linienrichter hatte dies gesehen und der slowakische Schiedsrichter Kruzliak musste mit großem Aufwand seinen Kollegen an der Linie davon überzeugen nichts gesehen zu haben. Mit anderen Worten: Es gab den klaren Elfmeter nicht. Skurril.

Noch ein Wort zur Zuschauerresonanz. Wann hatten wir zuletzt weniger als 40.000 Zuschauer im Borussia-Park? Das muss lange zurückliegen, denn ich kann mich nicht erinnern. Okay, Villarreal hatte nur ungefähr 50 Fans mitgebracht. Und der 19-Uhr-Termin an einem Donnerstag ist für die arbeitende Bevölkerung grenzwertig. Aber liegt es nur daran? Gegen eine spanische Top-Mannschaft hätte ich blind auf einen ausverkauften Park gewettet. Oder “zieht” die Europa League wirklich nur beim harten Fan-Kern? Ich bin etwas ratlos.

Bleibt zu hoffen, dass sich unsere Jungs trotz dieses harten Fights noch ein paar Körner für Sonntag aufbewahrt haben. Es ist Derbyzeit! Und da geht es bekanntlich nicht nur um drei Punkte. Sondern, viel wichtiger, ums Prestige. Let’s rock!

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