Fohlenmodi

von Thorsten Cöhring am 25. September 2014

Ach Mensch, was kann unsere Borussia für einen wunderbaren Fußball spielen! Mitreißend, begeisternd, entzückend. Technisch hochklassig. Schnelles, flüssiges Kombinationsspiel. Dynamische Zweikämpfe. Entschlossene Balleroberung. Was ihr fehlt, ist die erdrückende Dominanz von München oder Dortmund. Aber sonst? Fast alles, was das Fan-Herz höher schlagen lässt. Ja, Borussia kann in diesen Tagen wirklich tollen Fußball spielen. Nur: Borussia geht mit ihrem Talent sparsam um.

Manchmal, und fast nur in Heimspielen, ist es so, als wenn du eine Herde Fohlen erstmals auf die saftige, grüne Weide hinaus lässt. Sie hüpfen, springen, spielen und haben Spaß. Und sie sind voller Energie. Ein prächtiges Bild. Oft stehen unsere Fohlen aber auch in der viel zu kleinen Koppel und knabbern lustlos an ihrem Heu. Dieser Anblick tut einem in der Seele weh.

Was ich meine: So lange unsere Fohlenelf im statischen Schüchternmodus (den ich früher mal Angsthasenmodus genannt habe) verharrt, so lange kommt sie auf keinen grünen Zweig. Im lauf- und zweikampfstarken Selbstbewusstmodus ist sie eines der besten Teams im deutschen Fußball. Gelegentlich praktiziert sie das eine (Freiburg, Köln), bisweilen das andere (Sarajevo, Schalke). Hin und wieder auch beides innerhalb eines Spiels.

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44.000 Zuschauer. Erstaunlich viele leere Plätze im Borussia-Park beim Traditionsduell gegen den HSV.

So wie gestern gegen den Hamburger SV. Da sah unsere Mannschaft zunächst kein Land. Der HSV begann stark, mit schnellem, druckvollem Angriffsspiel nagelte er unsere Elf im eigenen Strafraum fest. Vier Ecken in den ersten 20 Minuten, aber zum Glück keine zwingende Torchance. Erst Mitte der ersten Halbzeit wechselte Borussia den Modus und siehe da: Die stetig zunehmende Lauf- und Zweikampfbereitschaft trug Früchte. Eine scharfe Hereingabe von Hahn lenkte Kruse artistisch aus der Luft an den Pfosten, den zurückprallenden Ball bugsierte er im Liegen zum 1:0 über die Linie (25.).

Es entwickelte sich bei strömendem Regen ein knallharter Fight, in dem Schiri Aytekin wie gewohnt eine unrühmliche Rolle spielte, weil der Mann einfach gesunde Zweikampfhärte und Fouls nicht auseinanderhalten kann. Was in zum Teil abstrusen Entscheidungen mündete. Gleichwohl hätten der in dieser Szene zu eigensinnige Raffael (28.), Hahn per Kopf (32.) und Jantschke ebenfalls per Kopf (34.) schon vor der Pause für klare Verhältnisse sorgen können.

Nach der Pause hatten die bemühten, aber machtlosen Hanseaten nicht mehr viel zu melden. Die starke Abwehrkette mit Korb, Stranzl, Jantschke und dem defensiv wie offensiv überragenden Dominguez hatte alles im Griff. Und vorne produzierten unsere Jungs Großchancen am Fließband: Raffael (46.), Kruse (50.), Raffael (62.), Xhaka (63.), Raffael (69.), Kruse (78.), Dominguez (84.), Herrmann (86.), Johnson (90.) – alle vergeben. Schöner Konterfußball ohne Tore. Unsere Jungs waren trotz guten Spiels auf dem Weg, die Fans im Borussia-Park kollektiv in den Wahnsinn zu treiben.

Nur 1:0. Erfahrungsgemäß gewinnst du solche Spiele am Ende nicht. Diesmal aber reichte es, da der HSV auch seine letzte Gelegenheit in der vierten Minute der Nachspielzeit glücklicherweise vertändelte.

Bedeutet: Wir sind in Pflichtspielen, inzwischen neun, in dieser Saison immer noch ungeschlagen. Am Samstag geht es zur Überraschungsmannschaft nach Paderborn. In welchem Modus wir dort auftreten? Hoffentlich im zielführenden…