Kein Zufall

von Thorsten Cöhring am 28. September 2014

Dass wir nach den ersten zehn Pflichtspielen der Saison 2014/15 (6 x Bundesliga, 3 x Europa League, 1 x DFB-Pokal) immer noch ungeschlagen sind, ist kein Zufall. Dass wir nach dem 6. Bundesliga-Spieltag auf Rang zwei hinter Bayern rangieren, ist auch kein Zufall. Unsere Mannschaft hat Qualität. Erstaunlich hohe Qualität, von der ich selber überrascht bin. Sie hat auch manchmal Glück, aber selbst Glück ist auf Dauer kein Zufall.

Schlitzohr Raffael netzt zum 2:0 ein.

In vielen Medien habe ich gelesen, der Sieg über den HSV am Mittwoch sei ein Sieg der Effektivität gewesen. Oder ein Arbeitssieg. Falsch. Borussia hat 70 Minuten lang hervorragend Fußball gespielt. Und wenn wir 7:0 gewonnen hätten, was durchaus möglich war, wäre ich auf die Kommentare gespannt gewesen…

Nein, unsere Mannschaft ist gut. Sie kann in dieser Saison unglaublich viel erreichen. Sie kann sogar Undenkbares erreichen – wenn sie dazu mental bereit ist. Soll heißen: Wenn sie an sich und an unerreichbar scheinende Ziele glaubt. Noch glaubt sie nicht daran. Vielleicht kommt das ja noch. Mal abwarten, wie die Saison verläuft. Denn hinzu kommen die üblichen Variablen. Mögliches Verletzungspech beispielsweise.

Unser erster Auswärtssieg gestern beim SC Paderborn macht Hoffnung. Im Unterschied zu den tristen Nullnummern in Freiburg und Köln, wirkte die Fohlenelf dieses Mal deutlich angriffslustiger. Eine handvoll Konter wurde wirklich sehr gut ausgespielt. Mutig und temporeich.

Spieler des Tages in Paderborn: Patrick Herrmann.

Vor allem dank Patrick Herrmann, den ich selten so gut gesehen habe. Die 1:0-Führung machte er selbst (8.), als ihm der Ball von Hrgota maßgerecht in den Lauf serviert wurde, beim 2:0 (14.) legte er den Ball Raffael auf, der im Nachschuss erfolgreich war. In der 28. Minute verzog Herrmann nach einem tollen Sprint knapp und in der zweiten Halbzeit traf Hrgota nach seiner Vorarbeit leider nur den Pfosten (64.).

Aber es wurde auch wieder deutlich, woran es uns noch fehlt. Unsere Überlegenheit gegen Paderborn war so surreal deutlich, dass ich zur Halbzeit sagte: “Wenn wir das 3:0 nicht machen, endet das Spiel 2:2.” Und so kam es fast auch: Im Gefühl der Dominanz wurde unsere Mannschaft Mitte der zweiten Halbzeit im Defensivverhalten von Minute zu Minute unkonzentrierter und fahrlässiger, so dass wir uns nach dem 1:2-Anschlusstreffer durch Wemmer (70.) am Ende über den Ausgleich nicht hätten beklagen können. Es kann einfach nicht sein, dass wir nur 40 Prozent der Zweikämpfe gewinnen und dass wir 24 (!) Torschüsse des Gegners zulassen. Wohlgemerkt gegen Paderborn. Nicht gegen Bayern.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die bemerkenswerteste Szene des Tages. Als der Paderborner Kutschke bei einem Sprint ausrutschte und Schiedsrichter Fritz ein Foul von Kramer gesehen hatte, zog der Unparteiische nach Intervention des Paderborners die Gelbe Karte gegen Kramer wieder zurück. Chapeau, Stefan Kutschke!

Gerne würde ich mich zunächst einmal ein paar Tage über das bisher Erreichte freuen, aber dazu bleibt leider keine Zeit. Am Donnerstag geht es in der Europa League beim FC Zürich weiter, am kommenden Sonntag kommt Mainz 05 in den Borussia-Park. Danach ist zwei Wochen Länderspielpause. Nach den jüngsten Eindrücken können unsere Jungs diese Auszeit (oder Abwechslung bei den Nationalspielern) gut gebrauchen.

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