Borussia belohnt sich nicht

von Thorsten Cöhring am 3. Oktober 2014

Das Ergebnis ist okay. 1:1 (1:1) im zweiten Gruppenspiel der Europa League beim FC Zürich. Das hält uns in dieser nicht sonderlich schwierigen Gruppe alle Optionen offen. Schade ist nur, dass sich die Mannschaft für ihren couragierten Auswärtsauftritt nicht selbst belohnt hat. Wobei “auswärts” nur die Anreise beschreibt. 10.000 Borussia-Anhänger unter den 20.000 Zuschauern im Letzigrund-Stadion machten die Partie fast zu einem Heimspiel. 🙂

“Auswärts” ist relativ. 10.000 Borussen im Letzigrund.

Unsere Borussia macht in fremden Stadien Fortschritte. Im Gegensatz zu den kümmerlichen Bundesliga-Gastspielen in Freiburg und Köln sowie dem durchwachsenen Match in Paderborn trat unsere Mannschaft gestern Abend ganz anders auf: Selbstbewusst, mutig, entschlossen und mit der notwendigen Portion Siegeswillen. Auch ohne die verletzten Kramer und Raffael spielte sich die Fohlenelf dank ihres Offensivpotentials eine Fülle erstklassiger Torchancen heraus und hätte dieses Spiel gegen einen bieder-tapferen Gegner locker für sich entscheiden müssen.

Womit wir wieder beim Konjunktiv angelangt wären. Hätte, könnte, würde, müsste, dürfte. Borussia Mönchengladbach könnte in dieser Saison eine Spitzenmannschaft sein, wenn sich nicht die gravierende Abschlussschwäche wie ein roter Faden durch diese bislang durchaus erfolgreiche Saison ziehen würde (außer gegen Sarajevo). Entschuldigung, aber was Kruse, Hrgota, Hahn, Xhaka und Co. gestern verballert haben, das geht schon nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut. Das reicht üblicherweise, um drei Spiele zu gewinnen. Das Runde muss ins Eckige – ohne das geht’s leider nicht. Mit der B-Note für den technischen Wert gewinnst du leider im Fußball keinen Blumentopf.

Gegen Schalke und Hamburg reichte es trotz der vielen vergebenen Großchancen zum Sieg, in Zürich nicht. Damit muss man leben. Positiv ist hingegen, dass sich unser Team überhaupt so viele Chancen herausspielt, selbst gegen einen sehr defensiv eingestellten Gegner. Gleichwohl möchtest du bei diesen unkonzentrierten Torabschlüssen manchmal vor Wut in deinen Schal beißen.

Nicht verschwiegen werden soll indes die phasenweise extrem hohe Fehlerquote in unserem Spiel, die Zürich sogar die überraschende Führung ermöglichte. Etoundi (23.) schoss freistehend ein, nachdem sich der sonst so zuverlässige Korb auf der rechten Abwehrseite wie ein Anfänger von Schönbächler abkochen ließ. Glücklicherweise zielte ein Fohlen an diesem Abend ganz genau: Nordtveits 30-Meter-Sonntagsschuss schlug zum 1:1 im Torgiebel ein (25.). Dabei blieb es, trotz klarer Feldüberlegenheit in der zweiten Halbzeit.

Noch ein Wort zu Thorgan Hazard: Er deutet immer wieder an, was in ihm steckt. Er ist schnell, dribbelstark und hat eine gute Schusstechnik. Leider macht er immer die gleichen Fehler: Stets einen Schnörkel zu viel und fast immer trennt er sich zu spät vom Ball und sieht den besser postierten Mitspieler nicht. Aber aus dem erst 21-Jährigen kann in den nächsten Jahren ein hervorragender Fußballer werden, er braucht Zeit.

Sonntag geht es gegen Mainz, dann ist mit der folgenden Länderspielpause wieder eine Etappe geschafft. Fakt ist: Wir sind nach elf Saisonspielen immer noch ungeschlagen.