Es fehlt der “Killerinstinkt”

von Thorsten Cöhring am 6. Oktober 2014

Wieder Unentschieden. 1:1 (1:1) gegen Mainz 05 vor 50.000 Zuschauern im Borussia-Park. Ja, Borussia hat wieder gut gespielt. Ja, Borussia hatte wieder genug Chancen, um das Spiel locker zu ihren Gunsten zu entscheiden. Ja, Borussia hat wieder im Abschluss versagt. Gestern war Murmeltiertag.

Fassungslosigkeit bei Korb, Stranzl und Kramer über die Elfmeterentscheidung von Schiedsrichter Gräfe.

Sollen wir uns wirklich über diesen unsäglichen Elfmeter aufregen? Natürlich könnten wir das. Zumal solche strittigen Handelfmeter-Entscheidungen seit Jahren IMMER zu unseren Ungunsten getroffen werden. Das ist zumindest auffällig. Natürlich hat Schiedsrichter Gräfe unserem Gegner Mainz 05 den 1:1-Ausgleich durch Hofmann (31.) geschenkt. Der Ball trifft aus kurzer Distanz den sich wegdrehenden Körper von Korb. Wahrscheinlich auch noch außerhalb des Strafraums. Lächerlich.

Diese Fehlentscheidung ist deshalb besonders ärgerlich, weil unsere Mannschaft an diesem Abend blendend ins Spiel gefunden hatte und nach einer vergebenen Chance durch Raffael (4.) bereits in der 15. Minute durch Max Kruses Kunstschuss 1:0 in Führung gegangen war. Vorausgegangen war eine sehenswerte Direktkombination über Xhaka, den erneut bärenstarken Herrmann und Johnson.

Ja, dieser Witz-Elfmeter war ein Schlag ins Kontor. Und dennoch: Der Kern des Übels liegt woanders. Wer solche Chancen nicht nutzt wie Raffael kurz vor der Halbzeit oder Hazard und Raffael in der Schlussphase der Partie, dem fehlt einfach der notwendige “Killerinstinkt”. Oder wie es Max Eberl nach dem 1:1 in Zürich ausdrückte: Die “Geilheit” auf den Punch. Ist es vorstellbar, dass Bayern München solche Gelegenheiten in entscheidenden Momenten liegen lässt? Wohl kaum. Notfalls nageln die Bayern in der letzten Minute die Kugel aus 30 Metern mit der Pike in die Maschen. Hauptsache die Pille ist drin.

Laut transfermarkt.de liegt unsere Verwertungsquote momentan bei 11,7 Prozent. Zu wenig, gemessen an dem hohen Aufwand, den die Mannschaft betreibt, um sich diese Chancen zu erspielen. Wir spielen gut, daran gibt es nichts auszusetzen. Und der Kader ist qualitativ so breit, dass wir selbst große Personal-Rotationen wie gegen Mainz (fünf neue Spieler gegenüber Zürich) ohne nennenswerten Qualitätsverlust realisieren können. Ich hoffe inständig, dass uns die jüngsten Punktverluste nicht eines Tages sehr weh tun – in beiden Wettbewerben.

Da nutzt auch der Hinweis darauf, dass wir seit Saisonbeginn inzwischen in zwölf Pflichtspielen unbesiegt sind, herzlich wenig. Denn darunter waren sechs Unentschieden. Und seit Erfindung der Drei-Punkte-Regel ist ein Unentschieden näher an der Niederlage als am Sieg.

Ich habe Borussia in dieser Saison zwölf Mal gesehen und ich bleibe dabei: Wir können in dieser Saison viel erreichen. Die Mannschaft spielt so guten Fußball wie seit langer Zeit nicht mehr. Möglicherweise liegt eine historische Chance zum Greifen nah vor uns. Wir müssen nur zupacken!

Jetzt liegt das zweite Länderspiel-Break vor uns. In der Etappe danach, bis zur Länderspielpause im November, hat unsere Fohlenelf vier wegweisende Spiele vor sich: Bei den heimstarken Hannoveranern, dann zwei Heimspiele gegen Bayern und Hoffenheim und anschließend nach Dortmund. Danach werden wir sehen, wo wir wirklich stehen.

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