Teuer erkaufter Punkt

von Thorsten Cöhring am 27. Oktober 2014

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, im Rückblick auf das Spiel gestern Abend gegen Bayern München, das trotz seiner Torlosigkeit einfach nur großartig war, meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Aber mir ist nicht mehr danach. Grund ist die schwere Verletzung unseres Schlüsselspielers Granit Xhaka.

Nur so geht's gegen Bayern: Die Nordkurve in Hochform!

Nur so geht’s gegen Bayern: Die Nordkurve in Hochform!

Schon der erste Eindruck ließ nichts Gutes erahnen. Xhaka blieb in der letzten Spielminute mit schmerzverzerrtem Gesicht liegen. Er war bei einem Zweikampf ohne Einwirkung des Gegenspielers umgeknickt. Laut borussia.de erlitt der Schweizer einen Bänder- und Kapselriss im rechten Sprunggelenk. Er wird damit in diesem Jahr nicht mehr spielen. Ganz bitter! Granit zählt zu den Spielern, die wir nicht gleichwertig ersetzen können. Eine echte Hiobsbotschaft unmittelbar vor den für uns ganz wichtigen Spielen in Frankfurt (Pokal), gegen Hoffenheim, in Limassol (Europacup) und in Dortmund.

Kommen wir auf den Klassiker im ausverkauften Borussia-Park. Seit dem Betriebssystem-Update auf fcbOS 20.1.4, Codename “Xabi Alonso”, funktioniert die rote Fußballmaschine aus Süddeutschland wieder wie geschmiert. Das war vor allem in der ersten Halbzeit sichtbar. Bayern München spielt gut. Gespenstisch gut. Irgendwie matrixhaft. In nicht enden wollender Perfektion. Irgendwann fragst du dich: Sind das noch Menschen oder mit Künstlicher Intelligenz aufgepimpte Präzisionsroboter?

“Wir müssen ihnen mit Euphorie, Enthusiasmus und Herz entgegentreten”, hatte Max Eberl im “Fohlenecho” gefordert. Und genau das tat unsere Mannschaft. Die Defensivarbeit war exzellent. Besonders herausheben möchte ich in diesem Zusammenhang die Defensivleistung unserer offensiven Flügelspieler Herrmann und Hahn. Klasse!

In der zweiten Halbzeit kamen dann noch zwei weitere Tugenden hinzu, die ich in den vergangenen Jahren immer wieder eingefordert habe: Mut und Leidenschaft. Wir lieferten den erschreckend guten Bayern einen hochklassigen Fight auf Augenhöhe. Beide Mannschaften hatten die Chance auf den Sieg, aber keine hatte die Niederlage verdient. Insofern geht das 0:0, das auch ein 4:4 hätte werden können, völlig in Ordnung. Den Flachschuss von Hahn hält wahrscheinlich nur ein Torhüter auf dieser Welt: “Hexer” Neuer, der übrigens vermutlich in diesen 90 Minuten mehr Schüsse abwehren musste, als in der gesamten bisherigen Saison zusammen.

Wir können auf diese Leistung unserer Mannschaft abermals sehr stolz sein. Aber fernab der Momentaufnahme (Tabellenplatz 2) und der historischen Sentimentalität war dieses Spiel gegen Bayern München bestenfalls ein Benchmark. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Reifegradmesser, wie weit wir von einer der besten Mannschaften der Welt noch entfernt sind. Fazit: Der Abstand ist weiterhin beträchtlich, aber er ist deutlich geringer worden. Das sollte unser Selbstvertrauen stärken.

Übrigens: Ich habe den Borussia-Park noch nie so laut erlebt. Wenn der Funke der Leidenschaft von der Mannschaft auf die Fans überspringt, dann brennt die Seele. Kompliment an alle Borussinnen und Borussen – vor allem in der Nordkurve!