Drittel-Bilanz: Gut, aber nicht sehr gut

von Thorsten Cöhring am 16. November 2014

Ein Drittel der Saison 2014/15 liegt hinter uns. Wie gut ist Borussia Mönchengladbach wirklich? Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.

Die Fakten:

Im DFB-Pokal stehen wir im Achtelfinale, in der Europa League brauchen wir aus zwei Spielen noch einen Sieg, um die K.O.-Runde im kommenden Jahr zu erreichen.

In der Bundesliga rangiert die Fohlenelf nach 11 Spieltagen mit 20 Punkten und 15:6 Toren auf Rang 3. Zum Vergleich: In der Sensationssaison 2011/12 hatten wir zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls 20 Zähler auf dem Konto, legten aber bis zum Hinrunden-Ende noch einen fulminanten Endspurt auf 33 Punkte hin. Vor zwei Jahren waren es nach 11 Spieltagen 16 Punkte und im vergangenen Jahr 19. Wir liegen also gut im Rennen, aber nicht sehr gut. Die “Hans-Meyer-Tabelle” sieht uns gegenwärtig bei 53 Punkten.

Durch die “Ungeschlagen-Serie” sollten wir uns nicht blenden lassen, es waren viele Unentschieden dabei. Und seit Erfindung der 3-Punkte-Regel ist ein Remis näher an der Niederlage als am Sieg. Punktemäßig trennen uns vom Elften (Schalke) nur 6 Punkte. Ein komfortables Polster haben wir also nicht.

Die Einschätzung:

Wie gut ist unsere Mannschaft? Was kann sie in dieser Saison erreichen? Die Einschätzung fällt mir immer noch schwer.

Klar, Max Eberl hat den Kader hervorragend verstärkt. Im Tor hat Yann Sommer den Verlust von Marc-Andre ter Stegen mehr als kompensiert; er ist wahrscheinlich sogar noch einen Tick zuverlässiger. Der Verlust des Führungsspielers Juan Arango fällt deshalb nicht so schwer ins Gewicht, weil Granit Xhaka nach der WM nochmals einen erheblichen Leistungssprung gemacht hat und inzwischen zum Kopf und Lenker in unserem Mittelfeld herangereift ist. Und auf den Außenbahnen bringen wir mit Andre Hahn, Ibrahima Traore und Thorgan Hazard, neben Patrick Herrmann, inzwischen deutlich mehr Tempo, Dynamik und Torgefahr auf den Rasen.

Aber nicht nur das: Lucien Favre hat die Mannschaft auch fußballerisch weiter entwickelt. Weg vom unproduktiven Kurzpassspiel (“Tiki-Taka”) hin zum Hochgeschwindigkeits-Konterspiel im 70er-Jahre-Style. Diese Art Fußball zu spielen basiert auf klarer Ordnung im defensiven Umschaltspiel, aber vor allem auf der Balleroberung. Und zwar möglichst nicht erst im eigenen Strafraum.

So war Borussia Mönchengladbach in den 70er Jahren erfolgreich. Der VfL hat damals mit der Mannschaft um Vogts, Bonhof, Simonsen und Heynckes keinen dominanten Hurra-Offensivfußball gespielt. Unser Erfolg basierte auf einer erstklassigen Verteidigung, Balleroberung und blitzschnellen Pässen in die freien Räume.

Manches erinnert heute daran, oft funktioniert es auch gut bis passabel. Die Defensive ist stabil. Ein wichtiger Faktor aber fehlt noch: der Kopf!

Unsere Mannschaft ist immer dann gut, wenn sie selbstbewusst und mutig auftritt. So wie gegen Schalke, in Hannover, gegen Hoffenheim und in der zweiten Halbzeit gegen Bayern. Auf der anderen Seite ist sie immer dann besonders schlecht, wenn sie schüchtern und ängstlich zu Werke geht. Zum Beispiel in Freiburg, in Köln oder (besonders gravierend) in Dortmund.

Diese Diskrepanz in der mentalen Herangehensweise kann ich mir nicht erklären. Beim besten Willen nicht. Nach dem Spiel gegen München war ich mir erstmals sicher, dass Borussia in dieser Saison viel erreichen wird. Wenn schon keinen Titel (realistisch wäre mit etwas Glück bestenfalls der Pokal), dann zumindest die erstmalige Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase.

Zwei Wochen später legte unser Team in Dortmund ein Spiel hin, wo du dir denkst: “Das kann doch unmöglich die gleiche Mannschaft sein!” Mit dem Selbstvertrauen von 18 ungeschlagenen Partien – höchst seltsam. Wie gesagt: Es geht nicht um die Niederlage; die kann passieren. Es geht um das Auftreten.

Erfolge feierst du nur, wenn fußballerische und mentale Stärke im Einklang sind. Fußballerisch haben wir zweifellos das Talent und Potential. Mental noch nicht. Ich bin echt gespannt auf die kommenden Wochen und Monate.

Der Ausblick:

Fußball ist schnelllebig. Es kann viel passieren. Auch in puncto Verletzungen. Deshalb beschränke ich mich auf einen kurzen Ausblick auf den Rest der Hinrunde. Die Europa League erwähnte ich bereits, es fehlt uns noch ein Sieg aus zwei Spielen. Mit einem Heimsieg über Zürich können wir das Sechzehntelfinale perfekt machen.

In der Bundesliga muss Borussia auswärts noch in Wolfsburg, Leverkusen und Augsburg antreten. Gegen alle drei haben wir in den zurückliegenden Jahren meist schlecht ausgesehen. Viele Punkte sollten wir aus diesen Partien also nicht erwarten. Um so wichtiger sind die Heimspiele gegen Frankfurt, Hertha und Bremen. Wenn wir diese drei Partien gewinnen, hätten wir mit 29 Punkten eine hervorragende Grundlage für die Rückrunde geschaffen.