Idylle mit Sieg und Gesang

von Thorsten Cöhring am 3. November 2014

52.000 Menschen sitzen am ersten November-Wochenende, teils in T-Shirts, froh gelaunt im Borussia-Park, genießen die Sonnenstrahlen, singen dem Trainer zum 57. Geburtstag ein Ständchen, bejubeln einen hochverdienten 3:1 (2:1)-Sieg im Spitzenspiel über 1899 Hoffenheim und sind glücklich, mit dem 17. ungeschlagenen Pflichtspiel hintereinander einen Rekord gebrochen zu haben, von dem ich bisher nicht einmal wusste, dass es ihn überhaupt gibt. Der Inbegriff des Idylls. Heile Welt pur. Ungewohnt. Aber schön.

Men of the Match: Patrick Herrmann und Andre Hahn.

Mit erstaunlicher Souveränität schickte Borussia auch die bisher ebenfalls unbesiegten Hoffenheimer mit einer Niederlage auf die Heimreise. Herrmann auf Hahn – 1:0 (12.). Hahn auf Herrmann – 2:1 (32.). So einfach und schön kann Fußball sein. Dazwischen der Ausgleich durch Modeste (30.).

Unsere Defensive offenbarte in der Zentrale in den ersten 45 Minuten ungewohnt viele Lücken und Abspielfehler im Aufbau, was immer wieder durchaus brenzlige Situationen heraufbeschwor. Trotzdem kamen die Gäste nicht zu zwingenden Torchancen – auch eine Qualität unserer Mannschaft.

Das änderte sich glücklicherweise in der zweiten Halbzeit. Zwischen der 45. und 60. brannte die Fohlenelf ein derartiges Offensivfeuerwerk ab, dass den Gästen Hören und Sehen verging. Nach einem von Keeper Baumann zu kurz abgewehrten Nordtveit-Freistoß staubte Herrmann zum 3:1 ab (52.). Raffael hätte auf 4:1 erhöhen müssen, doch nach Klasse-Vorarbeit von Kruse hämmerte er die Kugel freistehend in Höhe des Elfmeterpunkts an die Latte (58.).

Letztlich hatte Hoffenheim keine Chance mehr, das Spiel noch zu drehen. Abermals eine über weite Strecken sehr überzeugende Leistung unserer Mannschaft, aus der einmal mehr ein Spieler herausstach: Patrick Herrmann. Nicht nur wegen seiner beiden Tore, sondern vor allem wegen seiner überragenden Arbeit in der Rückwärtsbewegung. Standing Ovations bei seiner Auswechslung. In dieser Form ist er ganz klar ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Auch Andre Hahn auf dem anderen Flügel ging bis an die Grenze der physischen Belastbarkeit.

Noch zwei Spiele bis zum nächsten Länderspiel-Break. Am Donnerstag in Nikosia gegen Limassol kann mit einem Sieg die K.O-Runde so gut wie sicher gebucht werden. Am Sonntag geht es dann nach Dortmund. Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir am 11. Spieltag beim Tabellenvorletzten spielen, hätte ich vermutlich gesagt: “Setz sofort die Drogen ab!”