Von allen guten Geistern verlassen

von Thorsten Cöhring am 22. November 2014

Es gibt Fußballspiele, die brauchst du nicht groß zu analysieren. Die erklären sich von selbst. Dazu zählt die heutige 1:3 (1:0)-Heimniederlage von Borussia Mönchengladbach gegen Eintracht Frankfurt.

Überheblichkeit, Arroganz, keine Einstellung zum Spiel und zum Gegner. Viel mehr gibt es nicht zu sagen.

Eine Viertelstunde lang sah es im Borussia-Park so aus, als wolle unsere Mannschaft den Gegner überrennen. Schwungvolles, dynamisches Angriffsspiel, die frühe Führung durch Nordtveits abgefälschten 20-Meter-Schuss (5.), einige weitere Chancen.

Und dann, ja dann, wollte Borussia die Eintracht, die zuvor fünf Partien hintereinander verloren hatte, mit körperlosem Spiel in Schach halten. Operetten-Fußball, Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Das ging komplett in die Hose. Die Gäste aus Hessen nahmen die Einladung an. In den restlichen 75 Minuten sah unsere Mannschaft kein Land, wurde phasenweise sogar vorgeführt. Erschreckend. Niederschmetternd.

Was sich schon in der ersten Halbzeit angedeutet hatte, wurde nach der Pause rasch Gewissheit: 1:1 durch Stendera (54.), 1:2 durch Meier (57.) und nach dem 1:3 durch Inui (73.) verließen viele Tausend Zuschauer fluchtartig den Borussia-Park. Einzig der überragenden Leistung von Torhüter Sommer war es zu verdanken, dass wir nicht komplett unter die Räder gerieten. Frankfurt ließ ein gutes halbes Dutzend Hochkaräter aus oder scheiterte an Sommer. Es passte allerdings ins Bild, dass ausgerechnet der starke Keeper vor dem 1:3 schwer patzte.

Zu allem Überfluss bettelte Xhaka nach seinem zu Unrecht aberkannten Anschlusstreffer in der Nachspielzeit flehentlich um einem Platzverweis, so dass dem schwachen Schiri Dankert am Ende nichts anderes mehr übrig blieb, als Xhakas Wunsch zu entsprechen. Gelb wegen Meckerns (oder wegen Ballwegschlagens, keine Ahnung), nochmal Gelb eine Minute später wegen einer völlig sinnfreien Blutgrätsche – der gerade nach einer Verletzung genesene Schweizer organisierte sich für nächsten Sonntag in Wolfsburg einen freien Tag.

Der selten dämliche Medien-Hype um unsere angeblich ach so tolle Serie ist der Mannschaft offenbar überhaupt nicht bekommen. Eine solch miserable Leistung ist auch nicht dem Fehlen von Stranzl und Kramer geschuldet. Der geschmeidige Pokalsieg jüngst in Frankfurt trug vermutlich ein Übriges dazu bei, dass unser Team den Gegner radikal unterschätzte.

Borussia Mönchengladbach ist nicht Bayern München. Um Erfolg zu haben, muss unsere Mannschaft konzentriert und hart arbeiten. Mit einer ähnlichen Einstellung bekommen wir nächstes Wochenende in Wolfsburg die Hucke voll. Und nach den jüngsten Auftritten vor zwei Wochen in Dortmund und heute gegen Frankfurt muss Trainer Favre auch personell Zeichen setzen. Sonst dreht sich die Abwärtsspirale schneller als uns lieb sein kann.

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