Weckruf in der Halbzeit

von Thorsten Cöhring am 28. November 2014

Mit dem 2:2 (0:1) beim FC Villarreal am 5. Gruppenspieltag der Europa League hat sich Borussia Mönchengladbach die Chance erhalten, als Gruppensieger ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Dazu ist im abschließenden Heimspiel gegen den FC Zürich ein Sieg notwendig.

Vor 16.000 Zuschauern im kleinen Stadion “El Madrigal” knüpfte unsere Mannschaft, erneut ohne Stranzl und Kramer, in der ersten Halbzeit nahtlos dort an, wo sie gegen Dortmund und Frankfurt aufgehört hatte. Kein Biss, keine Emotion und keine Spielfreude. Ein Spiel vom Typus “Kaninchen vor der Schlange” – bloß nicht bewegen und am Ende doch gefressen werden.

Der aktuelle Tabellen-Achte der spanischen Liga war uns in den ersten 45 Minuten klar überlegen und erspielte sich etliche gute Chancen. Die mit Abstand beste Nachricht zur Pause war, dass wir durch den Treffer von Vietto (26.) nur 0:1 zurücklagen. Unsere Offensive fand in der ersten Halbzeit überhaupt nicht statt. Wo waren Raffael, Traore, Hazard und Hrgota? Ein brutal enttäuschender Auftritt. Durch die fehlende Entlastung nach vorn und das aggressive Pressing der Gastgeber geriet unsere Defensive mehrfach so unter Druck, dass sie komplett hilflos wirkte und einen Patzer nach dem anderen produzierte. Dieser Auftritt unserer Elf gab zu den schlimmsten Befürchtungen Anlass.

Irgend etwas Grundlegendes muss dann in der Halbzeitpause passiert sein. Jedenfalls kam die Fohlenelf mit einer ganz anderen Einstellung und Körpersprache aus der Kabine. Zwar lief spielerisch weiterhin nicht viel zusammen, aber immerhin waren Ehrgeiz und Willen spürbar. In den Strafraum von Villarreal kamen wir selten, aber immerhin gelegentlich in die Nähe des Tores.

So hatte Raffael in der 55. Minute die bis dahin beste Idee des Tages: Einfach mal aus der Distanz draufhalten! Seinen Flatterball aus 25 Metern boxte sich Keeper Asenjo in bester Slapstick-Manier in den eigenen Winkel. Die Freude über den Ausgleich währte nur ein paar Minuten, dann unterlief Korb ein folgenschwerer Patzer vor dem eigenen Tor und er servierte Tscheryschew den Ball einschussgerecht zum 1:2 (63.). Vorausgegangen war allerdings eine klare Abseitsposition des Flankengebers.

In der 67. Minute schnappte sich der verbesserte Granit Xhaka den Ball zum Freistoß. Aus 22 Metern jagte er die Kugel unter die Latte ins Tordreieck. 2:2 – was für ein Hammer! Es ist wirklich zum Heulen, dass er das nicht häufiger probiert. Mit dem ersten und einzigen nennenswerten Kombinationsangriff hätten wir fast noch gewonnen: Herrmanns abgefälschter Flachschuss (82.), nach Steilpass von Raffael, knallte an den Pfosten. Schade, dass unser Team in der Schlussphase nicht risikoreicher auf Sieg spielte, denn mit dem dritten Treffer wäre der Gruppensieg vorzeitig unter Dach und Fach gewesen. Ob Unentschieden oder Niederlage hätte an der Ausgangslage nicht großartig etwas verändert.

Unsere Ausgangsposition vor dem letzten Gruppenspiel gegen den FC Zürich am 11. Dezember im Borussia-Park:

  • Sieg: Wir sind weiter (als Gruppensieger)
  • Unentschieden: Wir sind weiter (als Gruppensieger, falls Villarreal in Limassol nicht gewinnt; als Gruppenzweiter, falls Villarreal gewinnt)
  • Niederlage: Wir sind als Gruppenzweiter weiter, falls Villarreal in Limassol nicht gewinnt; wir sind ausgeschieden, falls Villarreal gewinnt

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