Heimeliger Jahresabschluss im Borussia-Park

von Thorsten Cöhring am 18. Dezember 2014

Wie ich bereits des Öfteren kundgetan habe, bin ich ein Anhänger des Konzepts “Schlecht spielen und gewinnen”. Wohingegen ich dem Modell “Gut spielen und verlieren” gar nichts abgewinnen kann. Man könnte deshalb sagen: Borussia hat beim 4:1 (2:0) über Werder Bremen gestern Abend alles richtig gemacht.

So richtig gut gemacht hat unsere Mannschaft allerdings nur eines: Sie hat ihre Torchancen konsequent genutzt. Sie hat sogar welche genutzt, die gar keine waren. Zum Beispiel beim 1:0. Da stellte Bargfrede im Strafraum freundlicherweise das Bein raus, über das Traore bequem stolpern konnte. Kruse verwandelte den Elfmeter (32.). Oder beim 2:0. Da hätte Wendts Abschluss nach Traumpass von Kruse vermutlich die Eckfahne gestreift, wenn nicht Caldirolas Oberkörper den Ball perfekt ins lange Ecke befördert hätte (38.).

In der zweiten Halbzeit waren nach Junuzovics Anschlusstor (51.) dann etwas weniger Bremer Spieler an unseren restlichen Treffern beteiligt. Kruse legte für Kramer auf, der per Kopf zum 3:1 traf (64.), und Hazard legte für Hrgota auf, dem so sein erster Bundesliga-Saisontreffer gelang (88.). Zwischendurch sah Caldirola (66.) völlig zu recht die Gelb-Rote Karte, was Werder dazu animierte, die virtuelle weiße Fahne zu schwenken.

Das alles hat unsere Mannschaft gut gemacht. Den Rest hat sie, genau genommen, etwas weniger gut gemacht. Um ehrlich zu sein: Die Fohlenelf hat richtig schlecht gespielt. Viel zu viele einfache Fehlpässe im Spielaufbau, viele Nachlässigkeiten im Defensivverhalten und über weite Strecken eine nicht vorhandene Offensive. Wobei die Frage zu erörtern wäre, ob Trainer Lucien Favre mit seiner Personalentscheidung, für den kurzfristig verletzten Raffael (Muskelfaserriss) NICHT Hazard auf der “Neuneinhalb”-Position zu bringen, eventuell etwas danebenlag. Aber auch das ist im Nachhinein müßig.

Auch der früh angeschlagene Herrmann konnte diesmal dem Spiel kaum Impulse geben. Dafür trumpfte Traore beachtlich auf. Fast wäre dem schnellen Flügelflitzer sogar noch ein Tor gelungen, doch Bremens Keeper Wolf lenkte den 18-Meter-Flachschuss gerade noch um den Pfosten (76.).

Der aktuelle Tabellenletzte aus Bremen war spielerisch nicht schlechter als wir, machte aber noch deutlich mehr individuelle Fehler und legte damit den Grundstein für einen harmonischen Jahresabschluss im Borussia-Park. 44.500 Zuschauer waren jedenfalls trotz Dauerregens zufrieden. Einzig ein “Frei-Glühwein für alle” hätte die Stimmung womöglich noch etwas gehoben.

Wenn wir jetzt am Samstag in Augsburg noch etwas Zählbares holen, dann können wir ruhigen Gewissens auf das Christkind warten.