Ballbesitz schießt keine Tore

von Thorsten Cöhring am 7. Februar 2015

Lange musste ich überlegen, was ich über die gestrige 0:1 (0:1)-Niederlage bei Schalke 04 sagen soll, ohne meinem Frust und meiner Enttäuschung allzu freien Lauf zu lassen. Ich versuch’s einfach mal so. Vor drei Tagen schrieb ich: “Ballbesitz (63 Prozent) schießt keine Tore.” Heute schreibe ich: “Ballbesitz (69 Prozent) schießt keine Tore.” Am Dienstag waren die Freiburger die Deppen, gestern Abend waren wir es.

Es ist an der Zeit, mich an dieser Stelle in aller Form zu entschuldigen. Geblendet von den teilweise hervorragenden Spielen unserer Borussia im Spätsommer und Herbst, habe ich behauptet, unsere Mannschaft habe sich gegenüber den Vorjahren fußballerisch spürbar weiterentwickelt. Diese Einschätzung war falsch. Die Mannschaft hat sich nicht weiterentwickelt. Wir spielen, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, immer noch den gleichen eindimensionalen, inspirationslosen Fußball wie in den Vorjahren. Ohne Rhythmuswechsel, ohne Ambition, ohne Tempo. Absolut berechenbar. Was gegen defensiv eingestellte Gegner heißt: Brotloses Alibi-Passspiel rund um die Mittellinie bis zur totalen geistigen Erschöpfung.

Okay, damit müssen wir uns abfinden. Und wir müssen sehen, was damit möglich ist. Champions League ganz sicher nicht. Irgendwo kommen wir dann auch an die Grenze der individuellen Klasse unserer Spieler. Wenn wir einen Trumpf haben, dann ist es die mannschaftliche Geschlossenheit. Aber als Kollektiv wirkt unser Team derzeit ausgelaugt. Es fehlt an Frische, Tempo und generell an Zweikampfbereitschaft. Keiner unser Angreifer geht dahin, wo es wehtun könnte.

Schalke spielt inzwischen das, was alle Teams von Coach di Matteo spielen: einen knallharten, kompromisslosen Catenaccio. Das ist ein unattraktives, aber oft erfolgreiches Konzept. Gegen Borussia reichten ein Tor von Barnetta (10.) und eine aufmerksame Defensivleistung zum Sieg. Trotz fünf (!) Wechseln in der Startelf gegenüber dem Freiburg-Spiel hatten wir keine zwingende Torchance. Einziger kleiner Lichtblick in unserer trostlosen Offensive war der eingewechselte Traore.

Ich bin froh, dass wir gegen Stuttgart und Freiburg sechs glückliche Punkte eingefahren haben. So bleibt uns, zumindest vorerst, eine kontraproduktive öffentliche Krisen-Debatte erspart.

Gerne würde ich daran glauben, dass im nächsten Spiel der Knoten platzt und unsere Borussia groß auftrumpft. Zumal der nächste Gegner Köln heißt.

Allein – mir fehlt die Überzeugung.

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: