Bescheidener Traumstart

von Thorsten Cöhring am 4. Februar 2015

Perfekter Start für Borussia Mönchengladbach in die Rückrunde 2014/15: zwei Spiele, sechs Punkte. Wenn wir weiterhin mit solch bescheidenen Leistungen gewinnen, wie gestern beim 1:0 (1:0) gegen den SC Freiburg, dann soll’s mir recht sein. Auch dreckige Siege bringen drei Punkte.

Etwas merkwürdig ist die ganze Szenerie allerdings schon. Da legt dein Club einen Traumstart hin – und trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Denn der Grad der spielerischen Überlegenheit des SC Freiburg gestern Abend vor der Saison-Minuskulisse von 37.000 Zuschauern im Borussia-Park war beängstigend. Fast schon surreal. Zuletzt haben wir eine derart überlegene Gästemannschaft vor eineinhalb Jahren geschlagen (2:0 gegen Dortmund, siehe “Auge in Auge mit dem gelben Orkan“)

Die Absurdität dieses Spiels manifestiert sich in der Anfangsphase. Da spielten die Freiburger ein derartiges Offensiv-Harakiri, dass unsere Jungs drei Mal (!!) allein vor dem Gästeschlussmann Bürki auftauchten. Doch sowohl Herrmann (3. und 7.) als auch Hrgota (6.) brachten die Kugel nicht im Tor unter. Spätestens nach sieben Minuten war also bereits klar, dass es aus Gladbacher Sicht bei Eiseskälte kein erwärmender Abend werden würde.

Erneut der Matchwinner: Patrick Herrmann.

Just als Freiburg damit begann, seine Abwehr besser zu sortieren und damit komplett das Kommando zu übernehmen, klappte es dann doch noch mit der Führung. Stuttgart reloaded: Hrgota von links auf Herrmann rechts, Flachschuss ins lange Eck – 1:0 (23.). Zwei Minuten später war wieder Hrgota frei durch, wurde aber in letzter Sekunde abgeblockt.

Das war’s dann aus unserer Sicht. Der Rest war Abwehrschlacht. Die spielerisch klar besseren Freiburger nagelten unser Team über weite Strecken in der eigenen Spielhälfte fest, machten aber eine bittere Erfahrung, die auch Borussia schon diverse Male am eigenen Leib zu spüren bekommen hat: Ballbesitz (63 Prozent) schießt keine Tore. Eine klare Chance zum Ausgleich hatte lediglich der überragende Schmid (83.), dessen Schuss aus Nahdistanz Sommer glänzend parierte. Unsere Fohlenelf hatte ab der 25. Minute keine zwingende Torchance mehr, verteidigte aber aufopferungsvoll.

Das Fehlen der beiden etatmäßigen Flügelstürmer Andre Hahn und Ibo Traore sowie der offensiven Schaltzentrale Raffael wirkt sich doch deutlich gravierender negativ auf unser Offensivspiel aus, als ich ursprünglich vermutet hatte. Auch das zentrale Mittelfeld hat noch viel Luft nach oben. Granit Xhaka begann einen Tag nach seiner Vertragsverlängerung bis 2019 stark, ließ sich dann allerdings von der allgemeinen Unsicherheit anstecken und baute immer mehr ab. In der 85. Minute hatte er Megaglück, dass er nicht die Gelb-Rote Karte sah. Christoph Kramer ist immer noch meilenweit von seiner Vor-WM-Form entfernt.

Mal schauen, wie lange das Konzept “nicht gut spielen, aber gewinnen” noch funktioniert. Eigentlich sollten doch zwei wichtige Siege Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Am Freitag geht’s nach Schalke. Ich bin gespannt!

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