Etwas zu grün

von Thorsten Cöhring am 20. Februar 2015

Es bringt nichts, über die gestrige 0:1 (0:0)-Niederlage beim FC Sevilla im Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League lange zu lamentieren. Einerseits haben wir schon am Sonntag ein ganz wichtiges Spiel beim HSV, andererseits zeigte sich, dass unsere Borussia für die große europäische Bühne noch etwas zu “grün” hinter den Ohren ist.

Mit “grün” meine ich naiv. Ja, die Fohlenelf zeigte ihr bestes Spiel im Jahr 2015. Die Einstellung stimmte und spielerisch sah das oft gar nicht schlecht aus. Viel Ballbesitz, wie immer; meistens zwar ohne konsequenten Zug zum Tor, aber immerhin ein spürbarer Aufwärtstrend.

In den entscheidenden Momenten allerdings zahlten die Jungs Lehrgeld. Wer auswärts solch klare Torchancen (Kramer 19., Johnson 33., Wendt 50.) liegen lässt, der gewinnt auf europäischer Ebene keinen Blumentopf. Ganz anders der ersatzgeschwächte Titelverteidiger: Einen Stellungsfehler von Wendt, der auf der linken Abwehrseite Figueiras freie Bahn ließ, nutzte Iborra (70.) zum entscheidenden Treffer.

So steht am Ende eine 0:1-Niederlage. Das fünfte Ein-Tor-Spiel im fünften Match des Jahres. Dieses Ergebnis klärt zumindest unmissverständlich die Fronten für das Rückspiel. Um das Achtelfinale zu erreichen, MUSS am Donnerstag im Borussia-Park ein Sieg mit mindestens zwei Toren Differenz her. Punkt. Kein Spielraum mehr für ergebnistaktische Überlegungen.

Das ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig. Psychologisch betrachtet ist ein 0:1 der reinste Horror. Du fühlst dich irgendwie ganz nah dran, bist aber doch ziemlich weit weg. Damit es gelingen kann, braucht die Mannschaft Herz, Leidenschaft – und das Publikum! Wenn der Park nicht kocht, werden die abgezockten Spanier das Ding locker über die Zeit schaukeln.