Kein Grund traurig zu sein

von Thorsten Cöhring am 27. Februar 2015

Was ich jetzt schreibe, ist vermutlich weder populär noch tröstlich: Das gestrige Ausscheiden im Sechzehntelfinale der Europa League ist nicht wichtig. Es ist nicht mehr als eine Randnotiz. Der Europapokal ist für uns NOCH nicht das Maß der Dinge. Ich betone das “NOCH” in der Hoffnung, dass sich auch das eines Tages ändern wird. Unsere Fohlenelf sollte sich im Jahr 2015 auf die Ziele konzentrieren, die sie erreichen kann. Eine gute Platzierung in der Bundesliga und – den DFB-Pokal.

Beginnen wir mit den erfreulichen Erkenntnissen des Abends. Das 2:3 (2:2) gegen den Europa-League-Titelverteidiger FC Sevilla war ein geiles Fußballspiel. Für jeden neutralen Beobachter wahrscheinlich eine Wucht. Als Nicht-Neutraler kann ich sagen: Unsere Mannschaft hat alles an Willen, Herz und Leidenschaft in die Waagschale geworfen, was sie zu bieten hat. Sie hat zeitweise begeisternd Fußball gespielt, vor allem in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit. Mit solcher Wucht, Tempo und Dynamik, wie ich es selten in den letzten Jahren gesehen habe. Sie erzielte zwei Tore durch Xhaka (19.) zum 1:1 und Hazard (29.) zum 2:2, hatte etliche weitere Großchancen, unter anderem durch Hazards Pfostenschuss (74.). Sie wurde vom schwachen Schiedsrichter Strahonja massiv benachteiligt, der Borussia gleich zwei klare Elfmeter verweigerte. Aber wie dem auch sei: Die Moral meiner Fohlenelf hat mir an diesem Abend imponiert.

Die andere Seite dieses Spiels möchte ich nur kurz streifen. Die Defensivleistung des gesamten Teams hülle ich an dieser Stelle in das Mäntelchen der Nächstenliebe. Ich wüsste auch nicht, wo ich anfangen sollte. Geärgert habe ich mich über die womöglich entscheidende Szene der Partie. In der 68. Minute brannten Granit Xhaka wieder die Sicherungen durch. Ein Platzverweis (Gelb-Rot) mit Ansage. Bitter. Was nützt dir alles Talent, wenn du es im richtigen Moment nicht gewinnbringend einsetzt? Das muss er endlich begreifen. Zumal vorher bekannt war, dass der Schiri aus Kroatien fast immer mit Karten um sich wirft.

Rein fußballerisch war Borussia Mönchengladbach keinen Deut schlechter als der FC Sevilla. Eher besser. Aber in allen Facetten, die auf internationaler Ebene ein Spiel entscheiden, waren uns die Spanier klar überlegen. Zum Beispiel in der Effektivität. Fünf blitzsaubere Konter = fünf Chancen = drei Tore (Bacca 8., Vitolo 26., Vitolo 79.), ein Lattenkopfball (Iborra 77.) und eine Glanzparade von Sommer (Vidal 64.). Keine Frage: Um in der Spitzengruppe der europäischen B-Promis mitmischen zu können, muss unsere Mannschaft noch viel, viel lernen. Besonders an solchen Abenden wie gestern fällt auf, wie sehr uns ein Stoßstürmer von internationalem Format fehlt.

Jetzt folgen zwei Spiele, die wir um jeden Preis gewinnen müssen. Koste es, was es wolle. Am Sonntag das Bundesliga-Heimspiel gegen Paderborn und am Mittwoch das DFB-Pokal-Achtelfinale in Offenbach.

Zum Abschluss möchte ich eines nicht unerwähnt lassen, was mich als Borusse richtig stolz macht. Ich zitiere dazu meinen Tweet von gestern Abend: