Die Tabelle lügt nicht

von Thorsten Cöhring am 23. August 2015

Vor dem Anpfiff sagte ich: “Das Spiel in Dortmund hat Fragen aufgeworfen. Das Spiel heute gegen Mainz wird Antworten geben.” Die Antwort unserer Mannschaft war höchst unerfreulich. 1:2 (0:1)-Niederlage im ersten Heimspiel der Saison gegen Mainz 05.

Machen wir uns nichts vor: Die Tabelle lügt nicht. Ist eine Binsenweisheit, aber jederzeit wahr. Borussia Mönchengladbach ist nach dem 2. Bundesliga-Spieltag Tabellenschlusslicht. Das ist kein Zufall. In Dortmund versagte die gesamte Mannschaft auf der ganzen Linie. Gegen Mainz knüpfte die Fohlenelf zunächst nahtlos daran an. Zwar ist Mainz bei weitem nicht so gut wie Dortmund, hätte aber trotzdem heute vor 50.000 Zuschauern im Borussia-Park zur Pause schon locker mit 0:3 oder 1:4 führen können. Malli (13.) traf den Pfosten und Frei (35.) knallte die Kugel an die Lattenunterkante, ehe Jairo (42.) eine scharfe Hereingabe von Clemens zum hochverdienten 0:1 einschob.

In der zweiten Halbzeit spielte unsere Borussia besser, hatte den Gegner jetzt endlich im Mittelfeld im Griff und kam durch Patrick Herrmann (54.) zum 1:1-Ausgleich. Dann allerdings offenbarte sich ein neues Manko: Eine geradezu katastrophale Abschlussschwäche. Die Pässe in die Nahtstellen der anfälligen Mainzer Abwehr kamen jetzt häufiger präzise, aber Raffael (64.) und Hazard (65.) scheiterten freistehend vor dem Gästetor, Herrmann (74.) zog freistehend überhastet am Gehäuse vorbei und Hazards Schlenzer (75.) verfehlte den Kasten um einen Meter.

Wer solch glasklare Chancen vergibt, wird dafür im Fußball fast immer bestraft. So auch heute, denn Mainz markierte durch Clemens (79.) das 1:2-Siegtor. In der Schlussphase vergaben die Gäste bei zahlreichen Kontergelegenheiten sogar noch einen möglichen Kantersieg.

Wir können uns zwar weiter Sand in die Augen streuen und von großartigen Erfolgen in der vergangenen Saison träumen, doch die Realität sagt etwas anderes. Unsere Borussia muss jetzt am Sonntag in Bremen und eine Woche darauf im Heimspiel gegen Hamburg punkten, um den Anschluss an das gesicherte Mittelfeld nicht zu verlieren. Diese Aussage mag hart klingen, aber alles andere ist romantische Tagträumerei. Gerade wir sollten das wissen. Im Fußball kannst du ganz schnell zu unerwarteten Höhenflügen ansetzen. Und du kannst ganz schnell wieder abstürzen.

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