Den Kampf angenommen

von Thorsten Cöhring am 24. September 2015

Im Spiel eins nach Lucien Favre hat Borussia Mönchengladbach einen Schritt nach vorn gemacht. Beim 4:2 (4:0)-Heimsieg über den FC Augsburg warf die Fohlenelf genau die Tugenden in die Waagschale, die bislang so schmerzlich vermisst wurden: Herz, Leidenschaft, Kampf und Siegeswillen. Aber es wurde auch deutlich, dass noch ein langer Weg vor uns liegt.

Der neue Cheftrainer Andre Schubert hatte, wie er später zu Protokoll gab, “an einigen Stellschrauben gedreht”. Das war unübersehbar. Vor allem in puncto Einstellung. Die Rückkehr der genesenen Alvaro Dominguez, Patrick Herrmann und Fabian Johnson war sicherlich ein weiterer Mosaikstein. Aber vor allem agierte das zentrale Mittelfeld wesentlich zielstrebiger und schnörkelloser als in den ersten fünf Spielen. Granit Xhaka, erstmals Kapitän, ließ Chef-Qualitäten aufblitzen, sein Sechser-Kompagnon Mo Dahoud war, neben Oscar Wendt, bester Spieler auf dem Platz. Und Raffael war an allen vier Toren durch Johnson (5.), Xhaka (17.), Stindl (19.) und Dahoud (21.) direkt beteiligt.

Nach einer halben Stunde, vor allem aber in der zweiten Halbzeit, verfiel unsere Elf allerdings wieder in den alten Trott, der maßgeblich zum Absturz beigetragen hatte: Die beiden Viererketten verteidigten viel zu tief. Dadurch verlagert sich das Spiel fast ausschließlich in die Nähe oder direkt in unseren Strafraum. So ist auch die Elfmeterflut zu erklären, die über uns hereingebrochen ist. Gestern gab es wieder zwei Foulelfmeter gegen uns, die Verhaegh beide verwandelte (52. und 75.). Unter dem Druck des Gegners passieren Fehler; zumal keine Entlastung stattfindet, denn der Weg zum gegnerischen Tor ist weit.

Erst in der Schlussphase konnte sich unser Team wieder aus der Umklammerung befreien und verzeichnete durch Traore (83.) und Raffael (84.) noch zwei Aluminium-Treffer.

Aber gut, seien wir nicht zu kritisch. Zunächst muss unsere Borussia mit der modifizierten Favre-Spielanlage in die Spur zurückfinden. Wenn das gelingt, was wir alle hoffen, muss Andre Schubert darüber nachdenken, wie er einen Josip Drmic ins Team integriert. Ich halte ihn nach wie vor nicht für einen Fehleinkauf. Aber er ist als klassischer Neuner ein Spielertyp, auf den du das Spiel zuschneiden musst. Alle Spitzenclubs in der Bundesliga haben einen solchen Mann in ihren Reihen. Falls wir das nicht können oder wollen, sollten wir Drmic möglichst rasch wieder abgeben. Luuk de Jong lässt grüßen…

Ob dieser erste Saisonsieg bei der Mannschaft mental etwas bewirkt hat, wird sich am Samstag in Stuttgart zeigen.

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