Von mir aus kann es so weitergehen

von Thorsten Cöhring am 18. Oktober 2015

Tja, was ist so alles passiert während meiner Grippe? Wir haben gegen Manchester unglücklich 1:2 verloren, gegen Wolfsburg souverän 2:0 gewonnen und sind von einer beängstigenden Verletzungsseuche befallen worden. Die beste Nachricht gab es gestern Abend: Mit dem 1:5 (1:1)-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt feierte die Fohlenelf ihren vierten Bundesliga-Sieg hintereinander, setzte ihren Kurs der Konsolidierung fort und ist zunächst einmal der gröbsten Sorgen ledig.

Fußball ist bekanntlich eine Mischung aus Strategie-, Lauf- und Kampfspiel. Und deshalb nur bedingt erklärbar. Kein Mensch hat verstanden, weshalb die in der vergangenen Saison sehr stabile Borussia zu Saisonbeginn fünf Bundesliga-Partien in Serie verloren hat. Und kein Mensch kann so richtig verstehen, weshalb sie nach einem Trainerwechsel vier Mal in Folge gewonnen hat.

Klar, Andre Schubert hat einige Dinge verändert. Zum Beispiel verteidigt unsere Mannschaft inzwischen deutlich höher (meistens jedenfalls), zwingt den Gegner im Mittelfeld zu Ballverlusten und kann deshalb zügig Konter fahren. Massiv in die Bredouille kommen wir immer nur dann, wenn wir unsere Viererketten bis an den eigenen Strafraum zurückziehen. Das aus der Mannschaft heraus zu bekommen, wird noch eine Weile dauern.

Zur positiven Wende haben zweifellos auch einige Personalien beigetragen. Lars Stindl hat jetzt offenbar seine Position als “Zehner” gefunden, Raffael rückt dafür mehr in die Spitze, also in die ehemalige Kruse-Position. Ibo Traore zeigt endlich das, was er kann. Und ich bin überzeugt: Er kann noch mehr! Andreas Christensen spielt neben Alvaro Dominguez einen sehr soliden Innenverteidigerpart. Und vor allen Dingen: Mo Dahoud! Der Junge hat einen für mich fast unglaublichen Leistungssprung gemacht. Ich hoffe, seine Entwicklung geht so weiter.

Was Andre Schubert angeht, hat Max Eberl gestern Abend im TV zwischen den Zeilen ziemlich offen Klartext geredet: Es gibt kein Argument gegen Erfolg. So lange Schubert erfolgreich ist, wird er weiter Cheftrainer bei Borussia bleiben. Alles andere wäre Blödsinn und nicht vermittelbar. Wir müssen also abwarten bis zur nächsten “Durststrecke”. Erst dann ist ein Wechsel auf der Trainerbank denkbar. Ich wäre hoch erfreut, wenn es nicht so weit kommt… 😉

Ach ja, Frankfurt, fast hätte ich’s vergessen. Es war in der zweiten Halbzeit ein berauschendes Spiel unserer Mannschaft, das wir jedoch nicht überbewerten sollten. Denn Eintracht hatte einen Tag erwischt, an dem man gewöhnlich besser im Bett bleibt. Raffael (16.) sorgte mit seinem Abstauber nach einem tollen Angriff über Xhaka, Traore und Stindl für das frühe 0:1. Ein Elfmeter (was sonst?) führte zum Ausgleich. Dieser Jubiläums-Elfer, der zehnte gegen uns in dieser Saison, war übrigens besonders skurril.

Nach einem verunglückten Rückpass von Dominguez stürmten Yann Sommer und der Frankfurter Castaignos Auge in Auge auf den Ball zu. Sommer war eher am Ball, senste an der Kugel vorbei und über sein ausgestrecktes Bein fiel der Frankfurter. Außer uns Borussen müssen das alle ziemlich lustig gefunden haben. Für einen Moment befürchtete Sommer (wie ich auch), dass Schiri Meyer “Rot” zücken würde; für “Gelb” bedankte sich Sommer artig mit einer Handbewegung. Meier verwandelte zum 1:1 (29.).

In der zweiten Halbzeit lief es dann wesentlich geschmeidiger als nach der ersten zu vermuten gewesen war. Ein abgefälschter 20-Meter-Schuss von Mo Dahoud trudelte zum 1:2 ins Netz (51.) und Raffael verwertete einen genialen Chip-Pass von Dahoud zum 1:3 (57.). Unseren anschließenden geordneten Rückzug konnte Frankfurt nicht ausnutzen und in der Schlussphase traf der eingewechselte Andre Hahn gleich doppelt. Erst per Foulelfmeter (Sic! Elfmeter FÜR uns!), nachdem Russ Dahoud gefällt hatte (82.), und in der Nachspielzeit nach präziser Vorlage von Nordtveit zum 1:5. Außerdem traf Borussia noch zwei Mal Aluminium durch Stindl (48., Latte) und Johnson (54., Pfosten). Ein Sieg also, der auch in dieser Höhe völlig in Ordnung geht.

Am Mittwoch geht es in der Champions League zu Juventus Turin. Es wäre zwar ganz schön, wenn wir in dieser Gruppe nicht jedes Spiel verlieren würden, aber im Endeffekt ist mir das Ergebnis ziemlich wurscht. Wichtig wird es danach mit dem Doppelpack gegen Schalke: Am Sonntag im Park in der Meisterschaft und am Mittwoch darauf in Gelsenkirchen im DFB-Pokal.

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