Famoser Abschluss eines goldenen Oktobers

von Thorsten Cöhring am 1. November 2015

Während der Woche fragte mich mein Kumpel (Effzeh-Fan): „Wo spielt ihr am Wochenende?“ Ich antwortete: „In Berlin.“ Daraufhin er: „Da spielt ihr doch erst am 21. Mai!“ Diese charmante Aussage aus dem Mund eines Köln-Fans zu hören, erfüllte mich mit tiefer Befriedigung und gab mir das gute Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Aber bevor es am 21. Mai zur Lustreise nach Berlin kommt (oder auch nicht), stand gestern die Dienstreise nach Berlin auf dem Plan. Kurz gesagt: Unsere Mannschaft machte mit Hertha BSC kurzen Prozess. Eine erstklassige erste Halbzeit und eine solide zweite Halbzeit reichten, um einen ungefährdeten 1:4 (0:2)-Auswärtssieg einzufahren. Borussias beeindruckende Dominanz der ersten 45 Minuten dokumentierte sich in zwei blitzsauberen Toren binnen 120 Sekunden.

Dem 0:1 durch Oscar Wendt (26.) ging ein brillanter Pass von Granit Xhaka auf Fabian Johnson voraus. Bezeichnend für die derzeitige Form von Raffael das 0:2 (28.): Während seines 40-Meter-Solos vorbei an einem halben Dutzend Berliner Abwehrspieler verlor er den Ball, holte ihn sich wieder und sein leicht abgefälschter Schlenzer landete schließlich im Netz. Eine Aktion, die einen im wahrsten Sinne des Wortes vom Sitz riss! Und weil’s gerade so schön läuft, fischte Yann Sommer auch noch einen nahezu unhaltbaren Kopfball-Aufsetzer von Kalou (29.) aus dem Eck.

Als Langkamp im Sechzehner Traore umriss und Xhaka den Elfmeter zum 0:3 verwandelt hatte (55.), war das Spiel gelaufen und Borussia schaltete eineinhalb Gänge zurück. Und an Tagen wie diesem kann ich sogar über den Running Gag lachen: Elfmeter gegen Borussia Mönchengladbach, der elfte in dieser Saison! Hazard hatte in den Beinen von Baumjohann herumgestochert und der Gefoulte selbst verwandelte zum 1:3 (82.). Sechs Gegentore gab es bislang in den acht Spielen unter der Regie von Coach Andre Schubert: Fünf Elfmeter und ein Eigentor. Skurril! Nach einer schönen Kombination setzte Havard Nordtveit in der Nachspielzeit mit dem 1:4 das Tüpfelchen auf das i.

Es war der würdige Abschluss eines wahrhaft goldenen Oktobers mit fünf Siegen und einem Unentschieden. Im Moment spielt die Mannschaft wie aus einem Guss. Was mich brennend interessiert ist die Frage, wie unser Team mit Rückschlägen umgehen wird. Droht dann der nächste Negativlauf oder haben wir insgesamt wieder die Stabilität aus der vergangenen Saison?

Vieles hat sich gravierend verändert seit jenem denkwürdigen 20. September, als Lucien Favre über Nacht verschwand. Vor allem die Spielweise unserer Mannschaft. Nicht nur, dass Lust, Spielfreude und Selbstvertrauen zurückgekehrt sind. Sie ist jetzt auch mutiger und verteidigt viel höher. Nur das ermöglichst es uns, unser schnelles Umschaltspiel umzusetzen.

Seit Granit Xhaka Kapitän ist, spielt er besser als je zuvor. Unumstrittener Boss auf dem Rasen ist er schon seit zwei Jahren, aber jetzt wächst er zum echten Strategen heran. Andreas Christensen ist wie ein Sechser im Lotto, ein unglaublicher Glücksgriff. Mo Dahoud muss seine risikoreiche Spielweise bewahren, seine gelegentlichen Fehlpässe sind Teil seines Spiels. Er ist ein absolut belebendes Element. Unterschätzt habe ich die Offensivqualitäten von Lars Stindl. Dass er im Spiel nach vorn gleichwertig mit Max Kruse ist, hatte ich nicht erwartet. Defensiv ist er ohnehin besser.

Wenn mir nach dem verheerenden Köln-Spiel Mitte September jemand gesagt hätte, dass ich sechs Wochen später diese Zeilen schreiben würde, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber so ist Fußball. Völlig unberechenbar. Vor allem, wenn man Anhänger von Borussia Mönchengladbach ist. Und positiv überraschen lasse ich mich allemal wahnsinnig gern… 😉

Jetzt folgt am Dienstag DAS Highlight dieses Herbstes: Champions-League-Heimspiel gegen Juventus Turin. Wow, was für eine Paarung! Ergebnistechnisch erwarte ich gar nichts, aber ich wünsche mir unsere Mannschaft mutiger als beim 0:0 vor zwei Wochen. Sportlich wichtiger ist das Heimspiel gegen den FC Ingolstadt am Samstag, das letzte Match vor der Länderspielpause.

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