Dortmund ist kein Maßstab

von Thorsten Cöhring am 24. Januar 2016

Manchmal ist Fußball ganz einfach. Du gehst nach dem Spiel auf den Gegner zu, reichst ihm die Hand und sagst: “Gratuliere. Ihr ward klar besser und habt völlig verdient gewonnen.” So war das gestern Borussia-Park nach der 1:3 (0:1)-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund.

Der BVB ist kein Maßstab für uns. Borussia Mönchengladbach spielte im Auftaktmatch der Rückrunde vor ausverkauftem Haus im Park nicht schlecht, phasenweise sogar gut. Aber Dortmund war besser. In jeder Beziehung. Man hatte jederzeit das Gefühl, die Schwarz-Gelben hätten noch ein, zwei Gänge höher schalten können, wenn es notwendig gewesen wäre. In der Ökonomie wird Effizienz durch folgende Formel berechnet: “Wirtschaftlichkeit gleich Ertrag geteilt durch Aufwand”. In dieser Beziehung stellten die Dortmunder gestern oberes Champions-League-Niveau dar. Das ist nicht unsere Kragenweite. Darüber darf auch der durch zahlreiche glückliche Umstände begünstigte Sieg über Bayern in der Hinrunde nicht hinwegtäuschen.

Was Dortmund von München unterscheidet, ist das Defensivverhalten. Dortmund neigt zur Leichtsinnigkeit und bietet im sicheren Gefühl der Überlegenheit in der Abwehr einiges an. So hätte das Spiel durchaus 3:3 ausgehen können, wenn wir in der Offensive über die Abschlussqualität der Dortmunder verfügen würden. Aber so war das Ergebnis am Ende dem Spielverlauf angemessen. Die dominanten und kaltschnäuzigen Gäste siegten durch Tore von Reus (41.), Mkhitaryan (51.) und des überragenden Gündodan (75.). Für die Fohlenelf verkürzte Raffael zwischenzeitlich auf 1:2 (58.).

Wenn Granit Xhaka nicht spielt, merkt man das unserem Spiel sofort an. Es fehlen die öffnenden Pässe. Aber das ist nicht die alleinige Erklärung. Unser Offensivspiel war insgesamt viel zu harmlos und die Spitzen Raffael und Stindl fanden über weite Strecken gar nicht statt. Außerdem verfallen wir nach Rückstand zu häufig in Hektik und verlieren defensiv völlig die Ordnung. In der Summe unterscheidet uns das von absoluten Top-Mannschaften.

Also, wie gesagt: Dortmund ist kein Maßstab. Das nächsten Spiele hingegen sind ein Maßstab. Am Freitag müssen wir nach Mainz, am Karnevalsfreitag kommt Bremen. Wenn unsere Mannschaft um die Champions-League-Plätze mitspielen will, muss sie diese beiden Spiele gewinnen. Ohne Wenn und Aber.

Meine Meinung habe ich oft genug gesagt: Wir sollten die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Gemessen am Leistungsvermögen unserer Mannschaft wäre die Europa-League-Qualifikation für uns eine tolle Sache. Auf jeden Fall werden wir bereits nach dem Mainz-Spiel einen Anhaltspunkt haben, wohin die Reise in der Rückrunde gehen könnte. Denn auch einen erneuten Einbruch kann nach diesem turbulenten und unberechenbaren Saisonverlauf ganz sicher niemand ausschließen.

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