Gier

von Thorsten Cöhring am 30. Januar 2016

Für dieses Wochenende habe ich eine Entscheidung getroffen. Ich habe beschlossen, mich nicht über Borussia Mönchengladbach zu ärgern, sondern mich über die mitreißende deutsche Handball-Nationalmannschaft und den Australian-Open-Sieg von Angelique Kerber zu freuen.

Anlass zum Ärgern hätte die gestrige 0:1 (0:1)-Niederlage bei Mainz 05 allemal geboten. Denn es ist ein Unterschied, ob du verlierst, weil der Gegner besser ist (letzte Woche gegen Dortmund) oder ob du verlierst, weil du nicht in der Lage bist, selbst glasklarste Großchancen zu nutzen.

Es fehlte, nicht zum ersten Mal, an der offensiven Durchschlagskraft. Daran sind wir in der Champions League gescheitert und es wird auch zunehmend in der Bundesliga ein Problem. Eine offensivere taktische Grundausrichtung allein genügt nicht. Du brauchst auch einen Knipser, der im entscheidenden Moment den Knockout-Schlag anbringt. Keine Ahnung, wie oft ich das hier schon gesagt habe. Geändert hat sich nichts. Wir spielen weiterhin ohne gelernten Stürmer.

Abgesehen von diesem Manko ist es auch frappierend, wie träge, behäbig und fehlerbehaftet unser Mittelfeldspiel ohne Xhaka und Dahoud ist. Traore hätte eigentlich schon nach 20 Minuten ausgewechselt werden müssen. Dann wäre ihm zumindest nach 21 Minuten nicht sein x-ter Ballverlust unterlaufen, der schließlich nach einem Konter zum Mainzer Siegtor durch Clemens führte.

Ich hole jetzt einfach mal die beliebteste Floskel aus der Klischeeschublade und sage: “Ich denke nur noch von Spiel zu Spiel”. Von Spiel zu Spiel hoffe ich, dass wir möglichst bald die 40-Punkte-Marke erreichen und damit das wichtigste aller Saisonziele realisieren: den Klassenerhalt.

Ob darüber hinaus noch etwas möglich ist, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch. Meine Borussia macht auf mich derzeit einen sehr labilen Eindruck. Die Mannschaft ist bemüht, mehr aber auch nicht. Es fehlt der zündende Funke. Das erinnert mich an die ersten Saisonwochen. Zum Heimspiel gegen Bremen am Freitag fahre ich ohne Erwartungen. Gegen extrem lauf- und zweikampfstarke Teams (und dazu zählt Bremen) haben wir in dieser Saison bisher sehr schlecht ausgesehen.

Unsere Handballer haben bei der EM übrigens nicht von Spiel zu gedacht. Sie hatten ein klares Ziel: Finale! Die bedingungslose Gier darauf funkelte jedem Spieler in den Augen. Bei jeder Gelegenheit. Diesen kompromisslosen Willen, diese Gier auf Erfolg habe ich gestern bei unseren Spielern vermisst.