Vierfachsieg

von Thorsten Cöhring am 21. Februar 2016

Unser gestriger 1:0 (1:0)-Heimsieg über den 1. FC Köln war in mehrfacher Hinsicht extrem wichtig. Erstens sind Derbysiege immer gut fürs Gemüt; zweitens sind wir mit jetzt 35 Punkten immer noch in der Spitzengruppe; drittens beendete dieser Sieg die aufkeimende hanebüchene Trainer-Diskussion; viertens wurde unserer Mannschaft vor Augen geführt, dass man im Fußball auch jenseits des künstlerischen Werts Punkte holen kann. Nämlich mit ehrlicher, harter Arbeit.

Eigentlich müsste man das Video dieses Spiels unseren Jungs bis zum Saisonende mindestens einmal pro Woche vorführen. Konzentration, Disziplin, Laufbereitschaft, Leidenschaft und Siegeswillen – das ist die Basis des Fußballspiels. Und eben diese Tugenden warf Borussia gegen Köln in die Waagschale. In Mainz und Hamburg haben wir uns von den gegnerischen Mannschaften, die genau diese Einstellung auf den Platz brachten, den Schneid abkaufen lassen. Jetzt haben wir damit selbst das Spiel für uns entschieden. Noch Fragen zur Partie am Sonntag in Augsburg?

Borussia zeigte gegen Kölner, die nicht ihren besten Tag erwischt hatten, 60 Minuten lang eine tadellose Leistung. In der ersten halben Stunde spielte die Fohlenelf sogar sehr gut. Früh gelang nach einer feinen Kombination über Stindl und Raffael das 1:0 durch Mo Dahouds wunderbaren Außenrist-Schlenzer (9.). Und es hätte locker bis zur 60. Minute auch 3:0 heißen können – wenn da nicht die besonderen Eigenarten unserer Mannschaft wären.

Gibt es eigentlich irgendwo in den Fußballregeln einen Passus, dass einem Torabschluss immer 14 Haken und 16 Pirouetten vorausgehen müssen? Manchmal habe ich den Eindruck. Je näher wir dem gegnerischen Tor kommen desto komplizierter wird unser Spiel. Meistens jedenfalls. Und noch etwas: Nicht selten schafft es einer unserer Flügelspieler bis zur gegnerischen Grundlinie – und drei Stationen später landet der Ball wieder bei Sommer. Oder zumindest bei Christensen an der Mittellinie. Oft bleibt da beim Betrachter nur ein verzweifeltes Kopfschütteln.

Schon irgendwie seltsam, gerade wenn man, wie ich, passionierter Beobachter des spanischen und englischen Fußballs ist. Dort gibt es für die Spitzenmannschaften nur eine einzige Maxime: Der Ball muss möglichst schnell in den gegnerischen Strafraum, gradlinig und schnörkellos. Und zur Not auch mal blind. Weil dort ein Knipser steht, der die Dinger rein macht. Oft wünsche ich mir, wir hätten auch einen Strafraumstürmer…

Langer Rede kurzer Sinn: Wir ließen Köln am Leben und hätten in der letzten halben Stunde fast noch die Quittung dafür bekommen, wenn nicht der überragende Yann Sommer ein halbes Dutzend Mal vorzüglich gehalten hätte. Vor allem gegen den sehr guten Jojic, der glücklicherweise erst in der zweiten Halbzeit aufs Feld kam.

Letztlich siegte Borussia zweifellos verdient. Mit den Defensiv-Defiziten müssen wir in dieser Saison leben. Dazu werde ich noch einen gesonderten Blog-Beitrag schreiben, auch weil mir die unsägliche Trainer-Debatte der vergangenen Woche mächtig auf den Keks gegangen ist. Irgendwie scheinen bei einigen rund um Borussia die Maßstäbe durcheinander geraten zu sein.

Es zeigte sich gegen Köln, dass Havard Nordtveit neben Christensen ein stabilisierender Faktor in der Innenverteidigung ist. Wir brauchen dort Erfahrung, zumal wir mit Martin Stranzl nicht mehr rechnen können. Nordtveit ist sozusagen sein natürlicher Nachfolger. Oder besser: wäre. Denn ich bin fast sicher, dass uns Nordtveit zum Saisonende verlässt, sonst hätte er den neuen Vertrag längst unterschrieben. Schade, denn er hat aus meiner Sicht jetzt endlich seinen festen Platz im Team gefunden. Ich würde ihn dauerhaft in der Innenverteidigung belassen und ihn nicht mehr als “Ersatz-Sechser” in Betracht ziehen.

Zum Abschluss sei mir noch folgende Bemerkung gestattet: Der Gästeblock war aus Protest gegen Kontingentkürzung und Ticketpersonalisierung nur halb gefüllt. Stattdessen demonstrierten Kölner Fans in Rheydt für die “Erhaltung der Fankultur”. Meine Meinung: Es gab rund um das Derby dieses Mal auf beiden Seiten keine Provokationen und keine Gewalt-Eskalationen. Das ist der beste Beitrag, den Fans zur Erhaltung der Fankultur leisten können.