Borussias Topspiel-Allergie

von Thorsten Cöhring am 26. März 2016

In dieser Saison ist es besonders frappierend: Das “Mittelfeld” der Tabelle ist verschwunden. Das sogenannte “Niemandsland”. Die ersten Acht der Tabelle kämpfen um mindestens sechs, höchstwahrscheinlich aber sieben Europapokal-Startplätze. Nur einer wird also am 14. Mai leer ausgehen, falls Bayern das DFB-Pokalfinale erreicht. Die Teams auf den Plätzen 9 bis 18 dagegen kämpfen um den Klassenerhalt, wobei den Neunten vom Siebzehnten aktuell nur sechs (!) Punkte trennen.

Fast eineinhalb Jahrzehnte waren wir es gewohnt, dass Borussia Mönchengladbach zur unteren Hälfte zählt. Insofern bin ich glücklich und dankbar, das ich kann ich nicht oft genug sagen, dass wir  seit dem Amtsantritt von Lucien Favre 2011 diese Tabellenregion hinter uns gelassen haben. Und in dieser verletzungstechnisch von Murphys Gesetz (“Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen”) geprägten Saison allzumal. Sich entspannt zurücklehnen und das Hauen und Stechen im Tabellenkeller aus der Ferne beobachten – das hat fast was Gemütliches.

Okay, wir sind also unter den “Top 8”. Da wir, gefühlt, seit Monaten fast jedes direkte Duell mit den Konkurrenten verlieren, habe ich mir neulich die Frage gestellt: Wie sähe eigentlich die Tabelle aus, wenn nur die Spiele der “Top 8” untereinander gewertet würden. Es ergibt sich (nach dem 27. Spieltag) folgendes Bild:

SP G U V PKT TORE
1. Borussia Dortmund 12 9 2 1 29 24:10
2. Bayern München 11 7 2 2 23 25:8
3. Mainz 05 12 6 0 6 18 13:16
4. Schalke 04 11 4 1 6 13 15:20
5. VfL Wolfsburg 11 4 1 6 13 12:19
6. Borussia Mönchengladbach 11 4 0 7 12 16:22
7. Hertha BSC 10 3 2 5 11 10:15
8. Bayer Leverkusen 10 2 2 6 8 10:15

Was fällt auf, abgesehen davon, dass überraschenderweise Dortmund klar vor München rangiert? Vor allem das schlechte Ergebnis von Hertha, dem aktuellen Tabellendritten. Was im Umkehrschluss bedeutet: Die Hauptstädter holen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks ihre Punkte gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Um genau zu sein: 37 Punkte aus 17 Partien. Beeindruckend. Mainz hingegen hatte ich nicht so klar auf dem 3. Platz erwartet. Grundsätzlich auffällig: Von den 44 Begegnungen endeten nur fünf Unentschieden!

Borussias 6. Platz ist ziemlich ernüchternd und bestätigt meinen zuvor nur subjektiven Eindruck. Wir haben seit dem Sieg über Bayern München Anfang Dezember alle fünf folgenden Duelle gegen die Konkurrenten verloren. Aber wir können noch Boden gutmachen, denn Hertha und Leverkusen kommen noch in den Borussia-Park. Ob wir bei Bayern München etwas holen können, bleibt abzuwarten. Immerhin liegt unsere Partie strategisch ziemlich günstig, nämlich genau zwischen dem Halbfinal-Hinspiel und -Rückspiel der Bayern in der Champions League (ich gehe davon aus, dass sie so weit kommen). Auf der anderen Seite kann es durchaus sein, dass Bayern mit einem Sieg gegen uns am 32. Spieltag Meister werden kann. Dann würden unsere Aktien natürlich beträchtlich sinken.

Oder wir machen es einfach wie Hertha und gewinnen unsere vier Spiele gegen die “Abstiegsbedrohten” (in Ingolstadt, in Hannover, gegen Hoffenheim und in Darmstadt). Nach einem Probedurchlauf im Kicker-Tabellenrechner brauchst du nach meiner Rechnung im schlimmsten Fall 54 Punkte, um den 7. Platz zu erreichen. Weitere 12 Zähler wären also nicht schlecht…

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