Fighten für Europa sieht anders aus

von Thorsten Cöhring am 6. März 2016

Da in den vergangenen Tagen sehr viel los war, hatte ich leider keine Zeit, meine Eindrücke vom Mittwochspiel hier aufzuschreiben. Okay, dachte ich mir, dann fasst du eben mal die beiden Partien gegen Stuttgart und in Wolfsburg in einem Beitrag zusammen. Aber das ist gar nicht so einfach. Um es mit Otto Waalkes zu sagen: “Da waren sie wieder, seine drei Probleme.”

Am Mittwoch trumpften die Jungs phasenweise weltmeisterlich auf und spielten den VfB Stuttgart mit 4:0 in Grund und Boden. Ein Treffer schöner herausgespielt als der andere. Hazard (16.), Raffael (60.) und Herrmann (68.) stellten auf 3:0, ehe den chancenlosen Stuttgartern sogar noch ein Eigentor durch Großkreutz (90.) unterlief. Auch ein 8:0 war möglich. Ein tolles Spiel, eines unserer besten in dieser Saison. Highlight war das Tor durch Patrick Herrmann, wenige Sekunden nach seiner Einwechslung; ein wunderbar emotionaler Moment nach der langen Verletzungspause. Lowlight war der Muskelfaserriss bei Oscar Wendt, der unseren Leistungsträger zu einer wochenlangen Pause zwingt.

Drei Tage später. Zu Gast beim VfL Wolfsburg. Die Körpersprache unserer Mannschaft sagte von der ersten Minute an: “Wir wissen, dass wir heute verlieren werden. Und wir haben keine Ahnung, wie wir das verhindern sollen.” Draxler (15.) und Kruse (17.) entschieden die Partie ruck-zuck, Raffael verkürzte auf 2:1 (23.). Das war’s. In der restlichen Spielzeit war bei Borussia nur noch ein eher halbherziges Bemühen um den Ausgleich erkennbar. Fighten für Europa sieht anders aus. Wie das geht, demonstrierte zeitgleich Leverkusen in Augsburg, wo die Mannschaft in der letzten halben Stunde aus einem 0:3 ein 3:3 machte.

Es fällt mir schwer, mich an das Schema der letzten Wochen zu gewöhnen. Im heimischen Borussia-Park kämpft, läuft und spielt meine Mannschaft; auswärts trabt sie brav, schüchtern und ängstlich über den Platz. Unter dieser Prämisse ist es ungünstig, dass wir nur noch vier Heimspiele haben. Nach meiner Überzeugung werden wir in dieser Saison um die 50 Punkte holen, eher etwas weniger. Das könnte für die Europa League reichen; es ist aber auch durchaus realistisch, dass es am Ende nur zu Platz 8 langt.

Wirklich irritierend ist noch nicht einmal, dass wir in dieser komplizierten Saison fast ebenso viele Spiele verloren (10) wie gewonnen (12) haben. Kompliziert deshalb, weil in dieser von großen Verletzungsproblemen geprägten Spielzeit alle erfahrenen Innenverteidiger gleichzeitig langfristig ausgefallen sind. Verblüffend ist vielmehr der enorme Leistungsunterschied von Spiel zu Spiel. Wenn es nicht am Talent hapert, an was dann? Sind die Spieler nicht hungrig genug? Fehlt es am Selbstvertrauen? Muss man diese Varianz einer so jungen Mannschaft zugestehen? Oder liegt es an der falschen Taktik?

Falsch ist nicht, Borussia Mönchengladbach von der Grundausrichtung her offensiver zu machen. Falsch ist, dies mit ungeeigneten Mitteln zu tun. Zum Beispiel einer Dreier-Abwehrkette, die die jungen Spieler überfordert. Oder einem Pressing, das nicht zur Balleroberung führt. Ich zweifle noch nicht an Andre Schubert. Aber er muss jetzt beweisen, dass er mehr ist als ein Durchschnittstrainer. Er muss den Fohlen Orientierung geben. Ob das noch in dieser Saison gelingt, sei dahingestellt. Aber spätestens in der kommenden Spielzeit muss sich das auch in der Kaderplanung niederschlagen, nachdem es in der Winterpause versäumt wurde, an den defizitären Punkten personell nachzurüsten.

Aktuell gilt 😉 :