Würdiges Ende einer turbulenten Saison

von Thorsten Cöhring am 15. Mai 2016

Was gehört dazu, um für Borussia Mönchengladbach das Happy End einer turbulenten Saison perfekt zu machen? Richtig, der erste Auswärtssieg im Jahr 2016. Lang hat’s gedauert, nämlich bis zum letzten Spieltag der Saison 2015/16. 0:2 (0:1)-Sieg bei Darmstadt 98, der erste Dreier auf fremdem Terrain seit über einem halben Jahr.

Rein theoretisch fehlte uns ja noch ein Punkt, um Platz 4 dingfest zu machen. Darmstadt dagegen befand sich noch im extensiven Feier-Modus (Klassenerhalt) und empfand diese 90 Minuten, so der Eindruck, als äußerst lästige Pflichtaufgabe. So war Borussia auch ohne die Stammspieler Sommer, Dahoud, Wendt, Stindl und Raffael die klar dominierende Mannschaft und gewann hochverdient und ungefährdet durch Tore von Thorgan Hazard (31.) und Andre Hahn (63.). 70 Prozent Ballbesitz, 21:8 Torschüsse – so deutlich überlegen waren wir selten in dieser Saison. Aber wie gesagt: Darmstadts Interesse an diesem Match war eher marginal.

Die Fohlenelf lieferte in den vergangenen zehn Monaten einmal mehr Stoff für die Geschichtsbücher. Noch nie gelang es einer Mannschaft, die die ersten fünf Saisonspiele verlor, auf den 4. Rang in der Bundesliga-Abschlusstabelle zu klettern. Immer noch habe ich Mühe, das zu begreifen. Und wenn es mir am Abend des 19. September 2015, dem Tag der 0:1-Niederlage in Köln, jemand prophezeit hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Ja, verrückt, alles war irgendwie verrückt. Ich weiß nicht mehr, wie oft ich dieses Wort in dieser Saison benutzt habe.

So, jetzt ist erst einmal Pause. Eine ziemlich lange Pause: 104 Tage bis zum Beginn der neuen Bundesliga-Saison, 97 Tage bis zur ersten DFB-Pokal-Runde. Und 94 oder 95 Tage bis zu unserem Playoff-Hinspiel in der Champions-League-Qualifikation. Und da wären wir schon beim ersten Problem der neuen Saison.

Denn das heißt aus meiner Sicht: Kein Stammspieler von Borussia Mönchengladbach fährt zu den Olympischen Spielen in Rio! Die finden vom 5. bis 21. August statt – und am 16. oder 17. August spielen wir Champions-League-Quali. No way! Ich gehe davon aus, dass Mo Dahoud und alle unsere Vereinsverantwortlichen das genau so sehen. Im Übrigen: Mo gehört nach meiner Überzeugung ohnehin nicht zu Olympia, sondern in Joachim Löws EM-Kader.

Inzwischen steht so gut wie fest, dass uns zur neuen Saison gleich beide Führungspersönlichkeiten der Aufschwungjahre verlassen werden. Martin Stranzl, der Häuptling auf und außerhalb des Platzes, und Granit Xhaka, der Dirigent auf dem Spielfeld.

Dieser Sommer wird deshalb für Max Eberl zur bisher größten Herausforderung seiner Manager-Karriere. Er muss nicht nur fußballerisch adäquaten Ersatz besorgen, sondern er muss auch neue Persönlichkeiten verpflichten, die eine Hackordnung im Kader gewährleisten. Hierarchien sind in einer jungen Mannschaft wie unserer unverzichtbar. Ansonsten kannst du dich ganz schnell in Tabellenregionen wiederfinden, in die du nicht mehr willst. Warnende Beispiele gibt es genug.

Aber ich habe volles Vertrauen zu Max Eberl und Andre Schubert. Schauen wir mal, was die nächsten Wochen und Monate bringen.

Zum Abschluss des Spieljahres 2015/16: Herzlichen Dank an alle, an Mannschaft, Funktionäre und Fans. Good Job, Guys!

Abschlusstabelle 2015/16:

abschluss1516

Heimtabelle:

heim1516

Auswärtstabelle:

auswaerts1516

Hinrundentabelle:

hin1516

Rückrundentabelle:

rueck1516

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