3:1-Halbzeitführung

von Thorsten Cöhring am 18. August 2016

Nach drei elendig langen Monaten ist es an der Zeit, sich wieder den wesentlichen Dingen des Lebens zuzuwenden. Nämlich Borussia Mönchengladbach. Was also ist in den vergangenen 95 Tagen passiert?

Zunächst einmal: Ich habe bewusst auf einen Rückblick auf die abgelaufene Spielzeit verzichtet. Ganz einfach deshalb, weil ich der Meinung war, bereits alles gesagt zu haben. Zum desaströsen Saisonstart, zum Trainerwechsel, zum wundersamen Turnaround, zu den großartigen Champions-League-Abenden, zur Pokal-Enttäuschung, zur Verletzungsmisere. Und zu der seltsamen Mischung aus Heimstärke und Auswärtsschwäche, die schließlich zu einem unerwarteten Happy End auf Platz vier in der Bundesliga führte. Keine Frage, in der Saison 2015/16 war alles drin, was einen Fan an den Rand des Wahnsinns treibt.

Wir haben unseren spielgestaltenden Sechser Granit Xhaka verloren, der gleichzeitig unser bester Spieler und Anführer war, und ihn durch den abräumenden Sechser Christoph Kramer ersetzt, der hoffentlich zum Anführer heranwächst. Wir haben unseren “Boss” Martin Stranzl durch Jannik Vestergaard ersetzt. Wir haben unseren spielerisch starken Universal-Backup Havard Nordtveit durch den kämpferisch starken Universal-Backup Tobias Strobl ersetzt. Und wir haben mit den beiden 18-jährigen Laszlo Benes und Mamadou Doucoure unseren Talent-Pool aufgestockt.

Heißt in der Summe: Borussia ist in der Breite weiterhin recht gut aufgestellt, in der Spitze können wir bestenfalls unser Niveau halten. Bestenfalls, denn ich glaube, die Mannschaft hat in den beiden vergangenen Spielzeit ihren Zenit erreicht. Mehr ist nicht drin. Zudem werden uns Xhakas öffnende Diagonal- und Steilpässe spürbar fehlen; und unsere Spielanlage ohne echten Stürmer setzt uns ohnehin eindeutige Limits. Das hat sich im vergangenen Jahr vor allem in der Champions League gezeigt.

Da die Top-Clubs der Bundesliga teilweise erheblich qualitativ zugelegt haben, glaube ich nicht, dass wir noch einmal um die Champions-League-Plätze mitspielen können. In dieser Saison wäre aus meiner Sicht ein einstelliger Tabellenplatz tatsächlich ein bemerkenswerter Erfolg. Was übersetzt so viel heißt wie: Nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten. Mehr möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt zu dem Thema nicht sagen. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob ich mit meiner Prognose richtig oder falsch liege.

Wenden wir uns der Aktualität zu. Unser erstes Pflichtspiel der Saison 2016/17 führte uns vorgestern nach Bern. Hinspiel der Champions-League-Qualifikation bei den Young Boys. Der 3:1 (1:0)-Sieg klingt großartiger als er letztlich war, denn Borussia spielte nur phasenweise souverän. Das altbekannte Bild: Wenn ein Gegner richtig Druck macht, wackelt unsere Mannschaft oft bedenklich. Vor allen Dingen wegen ihrer gravierenden Kopfballschwäche. Bei jedem hohen Ball in unseren Strafraum geht sofort die rote Alarmleuchte an. Das hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht geändert.

Aber es war halt das erste Wettkampfspiel, und aus drei Torchancen drei Tore machen, das ist zweifelsohne auch eine Qualität. Das 0:1 durch Raffael (11.) war ein sehr schöner Konter mit kaltschnäuzigem Abschluss, dem 1:2 durch Hahn (67.) ging ein etwas unübersichtliches Gestochere im Strafraum voraus und Raffaels sehenswerter Volleyschuss wurde von Rochat ins eigene Tor abgefälscht (69.). Zwischenzeitlich hatte Sulejmani (56.) in Berns bester Phase zum 1:1 ausgeglichen.

Wir führen also zur Halbzeit 3:1. Das Rückspiel ist am kommenden Mittwoch im Borussia-Park. Es ist noch nichts gewonnen und ich hoffe inständig, dass es keine Zitterpartie wird. Zwischendurch geht es im DFB-Pokal am Wochenende zur SV Drochtersen/Assel. Drei Spiele, in denen es um nichts weiter geht als das Ergebnis. Gewinnen. Egal wie.

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