Nicht schlecht: Vier Siege in elf Tagen

von Thorsten Cöhring am 28. August 2016

Zwei Siege in der Champions League Qualifikation, Erstrundenerfolg im DFB-Pokal und gestern ein feiner 2:1 (1:0)-Erfolg über Bayer Leverkusen zum Bundesliga-Auftakt. Und das alles innerhalb von elf Tagen. Keine Frage: Borussia Mönchengladbach hat schon deutlich schlechtere Saisonstarts hingelegt.

Es war ein aufregendes Spiel gestern am frühen Abend in der Gluthitze des Borussia-Parks. Leverkusen war bärenstark. Es wird in dieser Saison nicht viele Mannschaften in der Bundesliga geben, die Bayer bezwingen können. Aber, und das ist die wirklich erfreuliche Erkenntnis des Tages, der Sieg von Borussia Mönchengladbach war kein Zufallsprodukt.

Denn die Fohlenelf warf alles in die Waagschale, was sie zu bieten hat. Neben spielerischer Klasse und Laufbereitschaft diesmal vor allem auch Emotion. Leidenschaft und Siegeswillen. Nur so kannst du große Mannschaften besiegen. Nach meiner Überzeugung ist Leverkusen in dieser Spielzeit vom Potential her die klare Nummer drei in Deutschland hinter München und Dortmund.

Eigentlich liegt uns der Leverkusener Stil überhaupt nicht. Sie stellen früh zu, unterbinden jedes Aufbauspiel und gehen aggressiv in Zweikämpfe. Pures Gift für unser System. Außerdem spielen sie jederzeit kompromisslos den Ball in den gegnerischen Strafraum. Auch mal “blind” oder auf “gut Glück”. Deutlich weniger strukturiert und auf Laufwege abgestellt als Borussia. Aber immer brandgefährlich, weil ständig irgendwo Abpraller auf Abnehmer warten.

Umso schöner, wenn Leverkusen dann mit den eigenen Mitteln geschlagen wird. Wie beim 1:0. Einen langen Ball von Christoph Kramer in Richtung Leverkusener Tor, zunächst ziemlich sinnlos aussehend, verlängerte Tah per Kopf perfekt in den Lauf des spekulierenden Andre Hahn und der ließ Keeper Leno keine Chance (45.+1).

Es war ein total ausgeglichenes Match, absolut auf Augenhöhe. Schnell, dynamisch, auf hohem spielerischen Niveau. Mitreißend und in jeder Sekunde prickelnd. Ein Unentschieden wäre angesichts der statistischen Zahlen folgerichtig gewesen (Quelle: kicker.de):

  • Torschüsse: 14:12
  • Pässe 423:414
  • Gelungene Pässe 319:311
  • Passquote 75:75 %
  • Ballbesitz 50:50 %

Beide Teams hatten klare Chancen en masse, die besseren sogar Borussia (Andre Hahn, Oscar Wendt, Raffael). Auf der anderen Seite traf Leverkusen zwei Mal Aluminium (Tah, Kampl). Beide Torhüter, Yann Sommer und Leno hatten einen Sahnetag erwischt. Als Leverkusen durch Pohjanpalo (79.) ausglich, hätte ich gewettet, dass es beim 1:1 bleibt. Aber die Fohlenelf hatte den größeren Siegeswillen. Einen feinen Pass des eingewechselten Thorgan Hazard verwertete Kapitän Lars Stindl unter Bedrängnis zum 2:1-Siegtreffer (85.).

Bern und Drochtersen/Assel in allen Ehren – aber Leverkusen war der erste echte Härtetest der Saison. Unser Team hat die Prüfung gemeistert. Das macht Hoffnung. Zumindest haben wir einen Fehlstart a la 2015 schon mal vermieden. Nach der Länderspielpause geht es in zwei Wochen in Freiburg weiter. Dort tun wir uns traditionell immer schwer. Aber das war bekanntlich auch 25 Jahre lang gegen Leverkusen der Fall…

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