Aufbäumen gegen die Niederlage

von Thorsten Cöhring am 22. September 2016

1:1 in Leipzig. Gut. Eine gewohnt bescheidene Auswärtsleistung reichte diesmal immerhin für einen Punkt. Weil es Borussia tatsächlich einmal gelungen ist, im richtigen Moment zurückzuschlagen.

Mittlerweile ist es schon so, dass ich mich bei jedem Auswärtsspiel vor den Fernseher kauere und in schicksalsergebener Erwartung einer Niederlage noch vor dem Anpfiff den Abpfiff herbeisehne. Das war gestern wieder so. Aber glücklicherweise nur beinahe. Nach Werners frühem 1:0 (6.) hatte ich das Spiel praktisch abgehakt, denn ein kämpferisches Aufbäumen gegen eine drohende Niederlage auf fremdem Terrain sieht man ja bei unserer Mannschaft bekanntlich eher selten. Wenn’s läuft, dann läuft’s. Und wenn’s nicht läuft, dann läuft’s nicht.

Spät, aber nicht zu spät markierte Fabian Johnson schließlich doch noch den 1:1-Endstand (84.). Das könnte doch ein Modell für die Zukunft sein, oder? Ich erwarte ja keineswegs, dass wir jedes Auswärtsspiel gewinnen, wir sind schließlich nicht München oder Dortmund. Aber manchmal wird man halt dafür belohnt, wenn man bis zum letzten Blutstropfen (ja, ein bisschen Pathos muss sein) um einen Punkt oder einen Sieg fightet.

Viel mehr gibt es zum Spiel nicht zu sagen. Wir sind alle eng getaktet dieser Tage, Mannschaft und Fans. Übermorgen kommt schon Ingolstadt in den Borussia-Park, vier Tage später der FC Barcelona.

Ein Wort möchte ich noch zu den Fan-Protesten in Leipzig verlieren. Meine ehrliche Meinung: Warum soll ich mich über den Aufsteiger mit dem putzigen Verarschungsnamen “RasenBallsport Leipzig” (jedes Kind weiß, wofür das Akronym “RB” wirklich steht) aufregen, der innerhalb eines Jahres (Sommer 2015 bis Sommer 2016) für 75 Millionen Euro neue Spieler gekauft hat?

Es ist doch mittlerweile Realität, dass neben den Aktiengesellschaften und den vom Spieltrieb besessenen Milliardären die Marketing-Abteilungen von Großkonzernen in der Bundesliga den Takt angeben. Es ist mir doch egal, ob es um Marketing für Pharmaka, Autos, Software oder Brausegetränke geht.

Wir als fanbasierter Traditionsverein werden eines Tages den Weg mitgehen und uns ebenfalls einen schnuckeligen, kleinen Milliardär angeln müssen. Oder andere stetig sprudelnde Geldquellen erschließen. Sonst verschwinden wir von der Bildfläche und spielen in 20 Jahren um den Aufstieg in die Regionalliga West.

Das ist genau so zynisch gemeint, wie es klingt. Denn wir werden die Entwicklung nicht aufhalten können. Auch ich bin ein Fußballromantiker. Ich kann aber leider nicht leugnen, dass wir im Jahre 2016 leben.

Den einen oder anderen mag übrigens interessieren, wie der 11-Freunde-Reporter den Ausflug nach Sachsen am Mittwoch erlebt hat.