Erstklassige Reaktion

von Thorsten Cöhring am 18. September 2016

“Spannend ist jetzt, wie unsere Elf, nach den beiden nahezu gegenwehrlosen Auswärtsschlappen in Freiburg und Manchester, am Samstag gegen Bremen reagiert. Das könnte wegweisend für die gesamte Hinrunde sein”, schrieb ich vor drei Tagen. Gegen Werder Bremen hat die Mannschaft die Antwort gegeben. Eine rundum beeindruckende Antwort!

4:0 hieß es nach 45 Minuten. Nach einer berauschenden Vorstellung. Von der ersten Minute an war alles da, was du brauchst, um dich aus einem sportlichen Schlamassel zu befreien: Siegeswillen, Leidenschaft, Disziplin, Laufbereitschaft und Zweikampfhärte. Die Grundtugenden des Fußballspiels. Ergebnis: Ein Spielrausch, der den ausverkauften Borussia-Park in Verzückung versetzte. Ähnlich wie beim “Wendespiel” vor einem Jahr gegen Augsburg, als wir bereits nach 21 Minuten 4:0 führten.  Kompliment an meine Mannschaft! Großes Kompliment! So muss das sein.

Zugegeben: Bremen offenbarte schon nach wenigen Minuten Zerfallserscheinungen. Aber auch eine solch desolate Truppe musst du erst einmal in dieser Form in seine Einzelteile zerlegen. Der überragende Thorgan Hazard machte sein mit Abstand bestes Spiel im Dress von Borussia Mönchengladbach und hätte sich glatt an die Spitze der Bundesliga-Torschützenliste setzen können. Zwei Treffer erzielte er (11. und 17.), einmal traf er den Pfosten (76.) und dreimal scheiterte er ganz knapp am Keeper oder einem Bremer Abwehrbein. Stattdessen traf auch Raffael doppelt, einmal per Foulelfmeter (21.), nachdem Keeper Drobny Lars Stindl von den Beinen geholt hatte, und mit einem sehenswerten Schlenzer aus der Drehung (41.) zum 4:0. Es hätte zu diesem Zeitpunkt auch 8:0 stehen können.

Leider wertete unser Team die Herausnahme von Raffael zur Halbzeit als Aufforderung, das Spiel für beendet zu erklären. Im Verwaltungsmodus unterliefen unserer Defensive (damit meine ich auch das Mittelfeld!) einige haarsträubende Fahrlässigkeiten. So kamen die absolut harmlosen Bremer in der 2. Halbzeit tatsächlich zu einigen guten Chancen. Eine davon nutzte Gnabry mit einem prächtigen Schuss zum 4:1-Endstand (73.). Nachdem der Bremer Johannsson wegen Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte gesehen hatte (80.), erklärte auch Werder das Spiel für beendet.

Alles in allem zeigte Borussia genau die erhoffte Reaktion. Nicht wenige, darunter ich, hatten sich im Vorfeld der Partie große Sorgen gemacht. Diese Sorgen hat die Fohlenelf mit ihrem hervorragenden Auftritt beseitigt. Die Mannschaft ist offenbar so stabil, dass sie auch gravierende Negativ-Erlebnisse wegstecken kann. Das erfüllt mich mit Zuversicht.

Unglücklicherweise ist es ja so, dass wir auswärts meistens noch nicht einmal einen Bruchteil der Heimspiel-PS auf den Rasen bringen. Daheim Ferrari, auswärts Trabbi. Ich verstehe immer noch nicht, warum das so ist. Aber ich muss ja auch nicht alles verstehen. Von daher mache ich mich am Mittwoch in Leipzig mal wieder auf das Schlimmste gefasst.

Am Samstag steht dann wieder “Drecksfußball de luxe” auf dem Programm. Die Treter und Provokateure aus Ingolstadt kommen in den Borussia-Park. Vielleicht sollte ich vorher ein paar Beruhigungspillen schlucken.

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