Niederlage vor der Woche der Wahrheit

von Thorsten Cöhring am 23. Oktober 2016

“Na, was erwartest du von dem Spiel heute Abend?”, fragte mich am Samstagmorgen ein guter Freund (Köln-Fan) und untermalte seine rhetorische Frage mit einem diabolischen Grinsen. Natürlich wusste er genauso gut wie ich, was auf Borussia Mönchengladbach bei Bayern München zukommen würde. Nämlich das, was auf auf jeden Gegner zukommt, wenn die bajuwarische Weltauswahl um jeden Preis liefern muss.

Ich gab also meine Standard-Antwort, die ich schon seit Jahrzehnten gebe: “Alles unter vier ist okay.” Damit meine ich eine Niederlage mit weniger als vier Toren Differenz. Es wurde schließlich ein 0:2 (0:2). Bayern machte mit uns kurzen Prozess (16. Vidal und 31. Costa), spielte noch ein bisschen mit uns herum wie eine Katze mit dem Wollknäuel und beschränkte sich in der zweiten Halbzeit darauf, die drei Punkte ins Ziel zu verwalten. Und am Ende waren alle bestens zufrieden. Wir mit dem ehrenvollen Ergebnis und Bayern mit dem erwarteten Sieg.

Gastspiele bei den Bayern laufen bei mir außer Konkurrenz, da bin ich total entspannt. Fast so wie Testspiele in der Länderspielpause; ich hoffe nur, dass sich keiner verletzt. Hinfahrt, Niederlage abholen, Rückfahrt. Ein halbes Jahrhundert Gewohnheit. Dass wir bis gestern vier Mal hintereinander gegen Bayern ungeschlagen geblieben waren, ist auf eine ganze Reihe glücklicher Umstände zurückzuführen, die ich hier schon mehrfach beschrieben habe. Wichtigste Voraussetzung ist, die Bayern zu einem günstigen Zeitpunkt zu erwischen. Nämlich dann, wenn sie nicht unter Druck stehen und dementsprechend fahrig zu Werke gehen.

Und es war von vornherein klar, dass gestern kein günstiger Zeitpunkt war. Denn nach zwei Bundesliga-Unentschieden in Folge, was nach Bayern-Maßstäben einer mittelschweren sportlichen Krise entspricht, musste das Superstar-Ensemble dieses Spiel unbedingt gewinnen. Egal, gegen wen. Leider hat es diesmal uns getroffen. Dass Lahm, Boateng, Kimmich und Müller gar nicht in der Startelf standen, fiel keinem so wirklich auf.

Dieses wenig relevante Spiel in München war für die Fohlenelf indes der Aufgalopp zur “Woche der Wahrheit”. In drei Heimspielen binnen sieben Tagen wird unsere Mannschaft die Weichen für den weiteren Saisonverlauf stellen. Es entscheidet sich,

  • ob wir im DFB-Pokal weiter von einem Titelgewinn träumen dürfen (gegen Stuttgart)
  • ob wir in der Bundesliga den Anschluss an die Spitzengruppe herstellen können oder ob wir uns mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen müssen (gegen Frankfurt)
  • ob wir auch Anfang nächsten Jahres noch im Europapokal mitspielen dürfen (gegen Glasgow)

Drei heiße Tänze stehen uns bevor. Und wenn ich mir unser aktuelles “Lazarett” mit Raffael, Hazard, Christensen, Traore, Dominguez und Drmic so ansehe, dann ist mir gerade nicht sehr überschwänglich zumute.