Wenn der Matchday zum Matschtag wird

von Thorsten Cöhring am 16. Oktober 2016

Kennt ihr “TGIF”? Thank God It’s Friday! Die Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende. Einen ähnlichen Ausdruck gibt es auch in der Bundesliga. “TGIM”. Thank God It’s Mönchengladbach! Die Vorfreude auf das bevorstehende Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. Die letzte Rettung für alle diejenigen, denen das Wasser bis zum Hals steht. Manchmal ist die Fußballwelt nur mit einem satten Schuss Zynismus zu ertragen.

Ein schwächerer Gegner als der Hamburger SV wird uns in dieser Saison nicht mehr über den Weg laufen. Erbärmlich, was die Hanseaten am Samstag ablieferten. Außer Herz und Leidenschaft gar nichts. Fußballerisch ein Fall für das Mäntelchen der Nächstenliebe. Dass wir eine solche Mannschaft nicht besiegen konnten, spricht für sich. Wer dieses Spiel gesehen hat, für den klingt das Ergebnis 0:0 wie ein Witz. Fraglos ein ziemlich schlechter.

Borussia spielte nicht wirklich schlecht. Der Wille war da. Aber Borussia musste noch nicht einmal besonders gut spielen und hätte dennoch das Spiel klar für sich entscheiden können. Die Chancen waren da. Doch wer gleich zwei Elfmeter verschießt, dem ist kaum mehr zu helfen. In der 26. Minute holte Cleber Stindl von den Beinen. Cleber sah die Rote Karte und Hahn scheiterte mit dem Elfer an Keeper Adler. In der 61. Minute schubste Santos Traore um und Stindl hämmerte die Kugel an die Latte. Mehr als eine Stunde in Überzahl, 76% Prozent Ballbesitz, 53% gewonnene Zweikämpfe, 22 Torschüsse, 2 Elfmeter – was willst du noch?

Ich habe jetzt schon einige Male über den nicht vorhandenen “Killer-Instinkt” meiner Borussia gemeckert. Es war klar, dass sich Borussias antiquierte und nicht mehr zeitgemäße Spielanlage ohne Stoßstürmer, ohne Steilpässe, ohne hohe Flanken und ohne offensive Kopfbälle irgendwann zum Problem auswachsen würde. Das scheint in dieser Saison der Fall zu sein. Der “Killer-Instinkt”, der kaltschnäuzige Abschluss im gegnerischen Strafraum, fehlt uns an allen Ecken und Enden. Und zwar gewöhnlich immer genau dann, wenn wir es am Nötigsten brauchen. Und noch eines wurde in diesem Spiel deutlich: Ohne Raffael sind wir offensiv auf einen Schlag etwa 50% schwächer. Das sollte zu denken geben. Nach dem zweiten verschossenen Elfmeter fragte mich mein Tribünennachbar: “Wen sollen wir denn offensiv noch bringen?” Ich antwortete: “Vestergaard. Als Mittelstürmer.” Vestergaard kam dann auch – in der 87. (!) Minute.

Okay, wir haben also ein Spiel nicht gewonnen, das wir unbedingt hätten gewinnen müssen. Zeit zum Durchschnaufen gibt es in den nächsten Wochen nicht mehr. Am Mittwoch steht für uns das Hinspiel im Zweiunddreißigstelfinale der Europa League an. Wir müssen zu Celtic Glasgow und brauchen mindestens einen Punkt. Eine Niederlage wird nach meiner Überzeugung unsere Europatour 2016/17 im Dezember beenden.

Und am Samstag … tja … am Samstag spielen wir zum Glück gegen eine Mannschaft, die nicht fünf Mal hintereinander verloren hat…