Woche der Wahrheit, Teil 2: Unentschieden in der Bundesliga

von Thorsten Cöhring am 29. Oktober 2016

Nach dem 0:0 gegen Eintracht Frankfurt gestern im Borussia-Park ist es an der Zeit, den Blick nach unten zu richten. Zu mehr als dem primären Saisonziel, Klassenerhalt, scheint mir meine Mannschaft gegenwärtig nicht in der Lage zu sein. Aber dieses Ziel zu erreichen, das verlange ich von ihr.

Die Geschichte dieses Gruselkicks drei Tage vor Halloween ist schnell erzählt. Die Fohlenelf hatte im Spiel nach vorn keine Mittel, aber auch nicht die geringsten Mittel, um eine solide verteidigende Mannschaft wie Eintracht Frankfurt zu besiegen. Es gab in diesen höchst langweiligen 92 Minuten beiderseits nur eine einzige (!) Torchance. Frankfurts Keeper Hradecky lenkte einen Schuss von Wendt an die Latte (72.). Das war’s. Glücklicherweise entwickelte Frankfurt keinerlei Ambitionen, diese Partie gewinnen zu wollen, sonst hätte es echt eng werden können. So behielten wir wenigstens einen Punkt.

In der Bundesliga vier Spiele sieglos, seit mehr als sechs Stunden ohne Tor, nur ein Sieg aus den letzten 15 Auswärtsspielen – es wäre schon verdammt weltfremd, in dieser Situation auf die internationalen Plätze zu schielen. Wir sind offensiv ohnehin nicht gut genug besetzt (vor allem im Torabschluss), das habe ich schon mehrfach geschrieben; und wenn dann noch mit Raffael, Hazard und Traore unsere drei besten Offensivkräfte ausfallen, dann wird es ganz, ganz dünn.

Darüber hinaus, das wird auch immer deutlicher, je länger die Saison dauert: Wir haben die Abgänge von Xhaka und Nordtveit nicht annähernd gleichwertig kompensiert. Nur mit diesem spielerischen Potential im Rücken konnte Mo Dahoud in der vergangenen Spielzeit seine Stärken entfalten. Im Moment ist er in seiner Rolle als kreativer Alleinunterhalter überfordert, unserem Spiel fehlt es an Ideen und Inspiration.

Eine “Müdigkeit” hingegen, wie sie momentan in fast allen Medien unserer Mannschaft angedichtet wird, sehe ich nicht. Die Mannschaft pfeift nicht “aus dem letzten Loch”, sie ist nicht “ausgebrannt”. Das ist Blödsinn. Sie ist willig und körperlich stark, aber sie kann fußballerisch nicht. Das kann sich zum Negativen hin ändern, wenn unsere Verletzungsmisere weiter anhält, aber momentan ist es nicht so.

Nächsten Freitag müssen wir nach Berlin. Höchstwahrscheinlich werden wir bei der starken Hertha die nächste Auswärtsniederlage kassieren. Dann hätten wir 12 Punkte aus 10 Spielen geholt. Manch einer mag höhere Ansprüche haben, was mich angeht, liegen wir damit auf Kurs “Minimalerwartung”. Danach ist glücklicherweise Länderspielpause.

Nach diesen zwei Wochen Regeneration finden von den letzten sechs Spielen dieses Jahres vier im Borussia-Park statt. In diesen Partien gegen Köln, Hoffenheim, Mainz und Wolfsburg müssen wir versuchen, die 20-Punkte-Marke zu erreichen. Denn mit weniger als 20 Zählern auf dem Konto hätte ich echt unruhige Weihnachten.

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: