Adieu, Champions League, ich werde dich vermissen!

von Thorsten Cöhring am 24. November 2016

Das Fan-Leben könnte so schön und unbeschwert sein. Borussia spielt nach dem Jahreswechsel noch im DFB-Pokal mit. Und Borussia spielt nach dem Jahreswechsel in der Europa League. Alles bestens so weit. Wenn da nicht diese existenziellen Sorgen in der Bundesliga wären.

Ob die gestrige Leistung beim 1:1 (1:1) gegen Manchester City im letzten Champions-League-Heimspiel mehr war, als nur ein kleines Licht am Ende des Tunnels, das wird sich am Samstag zeigen. Gegen das noch ungeschlagene Top-Team aus Hoffenheim muss die Mannschaft die gleichen Tugenden in die Waagschale werfen wie gestern: Konzentration, Herz, Leidenschaft und den bedingungslosen Willen, bis zum Umfallen zu kämpfen. Denn falls wir auch dieses Spiel nicht gewinnen, wird die ernste Lage langsam kritisch.

Diese Einschätzung leite ich nicht nur vom aktuellen Punktestand ab, sondern auch von der Tatsache, dass wir ein extrem schwieriges Rückrungenprogramm haben. Auswärts kriegen wir ohnehin nichts auf die Kette und in den acht Rückrunden-Heimspielen heißen die Gegner unter anderem München, Dortmund, Schalke, Leipzig und Hertha. Nach wie vor sehe ich erschreckende Parallelen zur Super-GAU-Saison 2006/07 und ich wäre höchst erfreut, wenn mich meine Mannschaft davon überzeugen würde, dass meine großen Sorgen unbegründet sind. In diesem Zusammenhang, liebe Protagonisten, sind mir Taten übrigens wesentlich lieber als Worte.

Gegen Manchester, mit allen millionenschweren Topstars angetreten, spielte Borussia eine sehr gute erste Halbzeit. Die Führung durch Raffael (23.), nach Vorarbeit von Stindl, war verdient. Denn obwohl ManCity deutlich mehr Ballbesitz hatte, war die Mega-Offensive um Agüero, de Bruyne und Sterling weitgehend abgemeldet. Eher glücklich und wie aus dem Nichts fiel der 1:1-Ausgleich durch Silva in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit.

Nach der Gelb-Roten Karte für Stindl (51.) drohte das Borussia-Schiff zehn Minuten lang in den City-Angriffswellen unterzugehen, ehe der seltsam kleinlich pfeifende türkische Schiedsrichter Cakir eine prächtige Idee hatte, um das Spiel in ruhiges Fahrwasser zu bringen: Er schmiss City-Regisseur Fernandinho ebenfalls mit Gelb-Rot vom Platz (63.). Das war der Moment, in dem beiden Mannschaften schlagartig klar wurde, dass ein Unentschieden das ideale Resultat für dieses Match war: Es brachte Manchester sicher ins Achtelfinale und Borussia sicher in die Europa League. Dementsprechend verlief die letzte halbe Stunde.

Nach menschlichem Ermessen war es für längere Zeit unser letzter Auftritt in der Champions League. Durch die neue Konkurrenz des Milliardär-Spielzeugs aus Leipzig werden die Altvorderen (München, Dortmund, Schalke, Leverkusen) in den nächsten Jahren ebenfalls aufrüsten und damit eine Spirale in Gang setzen, die auch im deutschen Fußball in neue Kader-Dimensionen führt. Und in dieser Preisklasse will Borussia erklärtermaßen nicht mitmischen (“Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen”).

Ich verabschiede mich an dieser Stelle also schon einmal von der Königsklasse. Es waren acht großartige Events. Vielen Dank dafür an alle, die das möglich gemacht haben, woran ich vor 2011 noch nicht einmal zu denken gewagt hätte.

Adieu, Champions League, ich werde dich vermissen!

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