Derbysiegerwoche

von Thorsten Cöhring am 23. August 2017

Manchmal macht es sogar richtig Spaß in Köln zu arbeiten. Zum Beispiel in der Woche nach dem Derbysieg. Da fällt einem erst richtig auf, wie leise kleinlaut tatsächlich ist. Keine Huldigungen, das ginge dann doch zu weit. Aber für unsereins die Gelegenheit, als erhabener rheinischer Fußballherrscher ein hübsches Quantum Trost ins deprimierte kölsche Volk zu kippen. Das macht ein gutes Gefühl. Und so könnte es eigentlich immer sein. Wir müssen öfter gegen den Effzeh spielen.

Ein Erfolg über den 1. FC Köln ist zweifellos zu jeder Jahreszeit schön. Aber dieses Mal ganz besonders. Denn es war der erste Spieltag der Saison und eine Heimniederlage, egal gegen wen, hätte eine Menge Unruhe mit sich gebracht. Insbesondere angesichts unseres harten Auftakt-Auswärtsprogramms mit Spielen bei Angstgegner Augsburg sowie den beiden Champions-League-Teilnehmern Leipzig und Dortmund.

Gegen Köln war bei weitem noch nicht alles Gold, was glänzte. Allerdings war die Leistung solide und wenn wir mehr Spaß an der Chancenverwertung hätten, wäre das Derby früh entschieden gewesen. So wurde es am Ende noch einmal bedenklich eng gegen einen Kontrahenten, der über weite Strecken bemerkenswert gehemmt und ängstlich wirkte. Glücklicherweise reichte der Treffer von Nico Elvedi (49.) nach exzellenter Vorarbeit des starken Ibo Traore zum 1:0-Sieg. Die “Neuen”, Matthias Ginter und Denis Zakaria, spielten weitgehend fehlerlos; der Schweizer hat sogar das Zeug zum neuen Publikumsliebling. Mal abwarten.

Ich gehöre weiterhin zu der Minderheit von Borussen-Anhängern, die unsere Fohlenelf in dieser Saison auf lange Sicht in der unteren Tabellenhälfte verorten. Trotz des guten Auftakts in der Bundesliga, trotz des glücklichen Sieges in Essen in der ersten Pokalrunde – und trotz der Verpflichtung von Raul Bobadilla. Er ist zwar nicht die Kategorie Angreifer, die uns entscheidend weiterbringt, aber zumindest haben wir mal wieder einen echten Stürmer im Kader. Das ist besser als keiner.

Üblicherweise behaupte ich ja immer, dass sich etwa ab dem 5. Spieltag abschätzen lässt, wohin die Reise von Borussia gehen wird. Damit lag ich allerdings im Vorjahr völlig falsch (10 Punkte nach 5 Spielen), denn danach ging es rasant bergab. Und noch falscher lag ich damit vor zwei Jahren (0 Punkte nach 5 Spielen), als wir am Ende noch die CL-Quali schafften. Also genießen wir zunächst einmal bis Samstag den Derbysieg…

Zum Videobeweis sage ich übrigens nur den einen Satz, den ich seit Jahren wiederhole: Er raubt dem Fußballsport seine Seele. Fußball ist ein einfaches Echtzeitspiel, das von Fehlern der Spieler, der Trainer und der Schiedsrichter lebt. Wer das in Frage stellt, liebt den Fußball nicht und hat ihn nicht verstanden.

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